Wie funktioniert ein Reverb? | Die Basics

DIE ESSENZ

Reverb (Hall) tritt auf, wenn Schall auf eine harte Oberfläche auftrifft und zu unterschiedlichen Zeiten und mit unterschiedlichen Amplituden zum Hörer zurückgeworfen wird, so dass ein komplexes Echo entsteht, das Informationen über den physikalischen Raum enthält. Reverb-Pedale bzw. -Effekte simulieren oder übertreiben einen natürlichen Halleffekt.

Frühe Reverb-Effekte

Die frühesten Reverb-Effekte aus den 50er und 60er Jahren haben auf relativ einfache akustische Tricks zurückgegriffen. Bei einem Plattenhall wird eine große Metallplatte (in der Regel 4 × 8 Fuß, also 122 × 244 cm) an Federn aufgehängt und vom akustischen Signal in Schwingung versetzt. Über strategisch angeordnete Kontaktmikrofone wird das komplexe Schwingungsmosaik aufgenommen, so dass eine überzeugende Simulation eines Resonanzraums entsteht.

Kurze Zeit später kam der Federhall auf, der sich ebenfalls einen simplen akustischen Trick zunutze macht. Er wurde in den 60er Jahren zu einer Standardfunktion von Gitarrenverstärkern und ist auch heute noch in vielen Amps zu finden. Dabei wird ein akustisches Signal von einer Geberspule durch eine Metallfeder geschickt und am anderen Ende von einer Nehmerspule abgegriffen. Die Feder wird in Schwingung versetzt und durch die Diffusion des Signals über die gesamte Federlänge hinweg entsteht der gewünschte Effekt.

Reverb-Parameter

Heutzutage können die klassischen analogen Halleffekte mit digitalen Signalprozessoren reproduziert werden, mit denen die Nachhallzeiten und das Frequenzverhalten echter Räume präzise simuliert werden können und gleichzeitig die Möglichkeit besteht, alle erdenklichen Variablen und Parameter zu regulieren. Doch kommt es bei allen Reverb-Effekten im Wesentlichen auf einige wenige, schlichte Parameter an:

Parameter-Regler am
Hall of Fame Reverb von TC Electronics

Die Effect Ratio (Effektverhältnis) regelt das Lautstärkeverhältnis zwischen dem direkten, unbearbeiteten Signal (Dry-Signal) und dem reflektierten Signal (Wet-Signal), das vom Effekt hinzugefügt wird. Unabhängig vom eingestellten Hallpegel klingt ein Dry-Signal-lastigeres Verhältnis, als befinde sich das Instrument näher beim Hörer, während ein Wet-Signal-lastigeres Verhältnis klingt, als befinde sich das Instrument weiter entfernt.

Die Decay Time (Abklingzeit oder Nachhallzeit) gibt an, wie lange es dauert, bis der reflektierte Schall so weit abgeklungen ist, dass er nicht mehr hörbar ist. In der Regel liegt diese Hörbarkeitsschwelle 60 dB unter dem ursprünglichen Schallsignal. Die Abklingzeit sagt etwas darüber aus, wie groß der simulierte Raum ist. Je länger die Abklingzeit, desto größer der Raum.

Die Pre-Delay Time (Vorverzögerungszeit) ist der Zeitabstand zwischen dem Beginn des direkten Signals und dem Beginn des Wet-Signals. Sie gibt an, wie groß der Abstand zwischen dem Instrument, der reflektierenden Oberfläche und dem Hörer ist. Angesichts der Tatsache, dass sich der Schall mit einer durchschnittlichen Geschwindigkeit von etwa einem Fuß pro Millisekunde bewegt, kann aus einer Vorverzögerungszeit von 200 Millisekunden geschlossen werden, dass sich das Instrument (und der Zuhörer) in der Mitte eines 100 × 100 Fuß großen Raumes befindet, da der Schall, um 100 Fuß zurückzulegen, von den Wänden reflektiert zu werden und zurück zum Mikrofon zu gelangen, dieselbe Zeit benötigt.

Der Tone des Effekts spielt ebenfalls eine Rolle. Die eher energiearmen höheren Frequenzen werden von der Umgebung früher absorbiert als niedrige Frequenzen, so dass der Effekt dunkler und wärmer klingt als das Instrument. Um einen ausgewogenen, wirklichkeitsgetreuen Effekt erzielen zu können, haben gute Reverb-Geräte häufig einen Tone-Regler.


Zusammengenommen können Effektverhältnis, Vorverzögerungszeit, Abklingzeit und Klang beliebig große Räume simulieren und das Instrument so klingen lassen, als befinde es sich an einem beliebigen Punkt in diesem Raum. Die Unterschiede zwischen den meisten Einstelloptionen von Multi-Reverb-Pedalen — in der Regel Room, Hall, Plate, Spring, Gate, Tile, Cathedral usw. — können als Variationen der Beziehungen zwischen diesen vier Parametern verstanden werden.

Effektpedale: Wie funktionieren sie?
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