Uns ist kürzlich etwas Ungewöhnliches aufgefallen: Die Verkaufspreise für das Moog Minimoog Model D 2016 Reissue waren hier auf Reverb tendenziell höher als die des Originals. Die traditionelle Weisheit besagt, dass etwas mit hohem Alter immer wertvoller ist, aber das trifft hier augenscheinlich nicht zu. Die Antwort auf dieses Rätsel ist wahrscheinlich etwas komplizierter.
Lasst uns aber zunächst einen genaueren Blick auf die beiden Varianten des Minimoog werfen, bevor wir uns der Frage widmen.
Der originale Minimoog ist wahrscheinlich der ikonischste Synthesizer aller Zeiten. Er kam 1971 auf den Markt und wurde 10 Jahre lang produziert, bis er 1981 auslief. Er war der erste tragbare Synthesizer mit Tastatur, der erste, der in Musikinstrumentengeschäften verkauft wurde, und für viele der erste Synthesizer, den sie je gehört haben. Er ist ein echter Klassiker — aber das brauchen wir euch sicherlich nicht zu erklären.
Im Jahr 2016 hat Moog den Minimoog neu aufgelegt. In Anbetracht der 35 Jahre, die seit der Einstellung der Produktion des originalen Minimoogs vergangen waren, wollte Moog ihn nicht einfach so wie damals wiederveröffentlichen. Man nahm ein paar kleine Verbesserungen vor, vor allem in Form eines Fatar-Tastenbettes und einer MIDI-Implementierung, außerdem wurden eine Reihe von Modifikationen eingebaut, wie z.B. ein eigener analoger LFO, kabelloses Feedback, ein Mixer-Overload-Mod und CV-Ausgänge für Pitch, Gate, Velocity und After Pressure. Nach nur einem Jahr entschloss sich Moog aufgrund von Teileknappheit infolge der hohen Nachfrage, die Produktion einzustellen.

Seit dem Ende der Reissue-Auflage sind die Preise relativ konstant geblieben. Ein Blick in den Preisführer zeigt, dass es in den ersten drei Jahren wie zu erwarten lief. Die Neuauflage wurde ursprünglich für 3.749 Dollar verkauft, was sich auch im Gebrauchtpreis widerspiegelt. Bis zu diesem Jahr bewegte sich der Preis um 3000 Dollar. Imgleichen Zeitraum schwankten die Preise des Originals wilder, wie wir aus dessen Preisführer schließen können, mit Preisen zwischen 2000 und 4500 Dollar. Diese Diskrepanz der Preise ist wahrscheinlich auf die unterschiedlichen Zustände der angebotenen Geräte zurückzuführen.
2020 begannen die Preise der Neuauflage plötzlich zu steigen, von stabilen 3000 im Frühjahr auf über 6000 Dollar im November. Die Preise für das ursprüngliche Modell D erlebten einen ähnlichen Aufwärtstrend, allerdings nicht vor August. Sie bewegen sich derzeit um 6000 Dollar.
Im Durchschnitt liegen die Preise der Minimoog-Reissues derzeit einen Hauch höher als die des Originals, wobei das Originalmodell dicht dahinter liegt. Dieser Zustand hält sich seit den letzten drei Monaten, wobei das Kopf-an-Kopf-Rennen der beiden Modelle und der Trend zum Reissue schon den größten Teil des Spätsommers einnahm.

Also, was ist da los? Warum zog das Reissue preislich plötzlich so an?
Der Preisanstieg bei beiden Geräten im Jahr 2020 ist wahrscheinlich auf den Einfluss von COVID-19 zurückzuführen und darauf, dass die Leute etwas zu tun haben wollen, während sie im Lockdown sind, aber das ist bei beiden ähnlich. Um herauszufinden, warum die Neuauflage so attraktiv sein soll, haben wir eine informelle Umfrage in einer beliebten Synthesizer-Gruppe auf Facebook durchgeführt. Wir fragten: Wenn ihr die Mittel hättet, was würdet ihr lieber kaufen — das Original oder das Reissue? Außerdem baten wir die Teilnehmer, ihre Wahl in den Kommentaren zu begründen.
Zum Zeitpunkt der Veröffentlichung führte die Neuauflage mit 57 Stimmen vor den 11 Stimmen für das Original. Für die Mitglieder dieser speziellen Gruppe war das Reissue die klare Wahl. Die Antwort auf die Frage, warum, lieferte der Kommentarbereich: "Ich habe Vintage-Geräte", schrieb Gruppenmitglied Jim Heywood. "Da muss immer etwas dran gemacht werden. Wenn ich einen Minimoog kaufen würde, würde ich lieber etwas Neues haben wollen, das einfach funktioniert."
Wayne Lohr, der eine Reihe von klassischen Synthesizern wie den Korg MS-20, Roland Juno-106 und sogar einen originalen Minimoog besitzt, gab eine ähnliche Antwort: "Vintage-Geräte sind zwar cool, aber bekanntermaßen unzuverlässig. Es gibt viele originalgetreue Nachbauten, die den Job zuverlässig erledigen."
Viele andere schlossen sich dieser Meinung über die Zuverlässigkeit an. Der andere große Anreiz war MIDI. Trotz der eingeschränkten Funktionalität des neu aufgelegten Minimoog reichte das Vorhandensein von MIDI aus, um eine deutliche Mehrheit vom Vintage-Gerät abzubringen. Ein letzter Faktor, der den Preis der Neuauflage in die Höhe getrieben haben könnte, ist die Knappheit der Geräte. Das Original wurde 10 Jahre lang produziert, während das Reissue nur ein Jahr lang hergestellt wurde. Es also ist naheliegend, dass weniger Einheiten auf dem Markt sind, was den Preis in die Höhe treibt.
Während das Original sicherlich immer noch ein Klassiker ist, scheint die Neuauflage durch mehr Zuverlässigkeit und Funktionen gerade viele anzulocken. Diejenigen, die sie beim ersten Mal verpasst haben, werden versuchen, sie jetzt zu ergattern, bevor die Preise noch weiter steigen, denn wenn sich COVID-19 noch weiter in die Länge zieht, könnten genau das passieren.