Es gibt sechs verschiedene Arten von Kompressor-Effekten - optisch, VCA, FET, Valve, Multi-Band und Parallel -, die alle ganz spezifische Eigenschaften mit unterschiedlichen Prioritäten besitzen. Eine Grundregel für alle Kompressionsarten: Wenn du es raushören kannst, hast du zu viel davon verwendet.
Was ist ein optischer Kompressor?
Diese verwenden eine optische Trennschaltung, die aus einer Glühbirne oder LED und einer Fotozelle besteht. Die Lichtquelle leuchtet je nach Eingangssignal heller oder dunkler. Die Fotozelle liest die jeweilige Helligkeit der Lichtquelle aus und verändert den Gain dementsprechend. Die Reaktionszeit des optischen Kompressors ist langsamer als andere Varianten, aber ich schätze sie für ihren natürlichen Klang. Attack und Release sind sehr sanft und nur bei starkem Anschlag überhaupt wahrnehmbar.
Beispiele: Diamond CPR-1 Compressor, EHX White Finger
Was ist ein VCA-Kompressor?
Die wohl verbreitetste Kompressor-Variante ist der VCA (Voltage Controlled Amplifier). Diese sind extrem vielseitig und können unter den härtesten, speziellsten Bedingungen arbeiten. Ein VCA-Kompressor nutzt einen integrierten Schaltkreis (IC), um eine präzise Steuerung der Gain-Reduktion zu ermöglichen. Sie sind normalerweise weniger verfärbt und besitzen sehr wenig Verzerrung, was sie zu einem der beliebtesten Kompressorentypen auf dem Markt macht.
Beispiele: T-Rex NeoComp
Was ist ein FET-Kompressor?
FET-Kompressoren verwenden ihre namensgleichen Feldeffekttransistoren, um Röhren mit größerer Zuverlässigkeit zu emulieren. Sie tendieren in der Regel zu einem einzigartigen, schnellen und cleanen Sound. Es gibt von ihnen nicht sonderlich viele auf dem Markt, da sie einen Extra-Schaltkreis benötigen.
Beispiele: Origin Cali76
Was ist ein Röhren-Kompressor?
Röhren-Kompressoren (eng.: valve) sind eigentlich falsch benannt, weil sie keine Röhren zur Kompression verwenden. Die meisten Röhren-Kompressoren basieren auf einem der oben genannten Schaltkreise mit einer oder mehreren Röhren im Signalweg, um einen wärmeren, cremigeren Klang zu produzieren.
Beispiele: Electro-Harmonix Black Finger
Was ist ein Multi-Band-Kompressor?
Auch wenn sie meistens nicht mit pedalbasierten Kompressoren in Verbindung gebracht werden, sind Multi-Bands nichtsdestotrotz eine Erwähnung wert. Ein Multi-Band-Kompressor ist genau das, was der Name schon andeutet - ein Kompressor, der auf verschiedenen Frequenzbändern unterschiedlich funktioniert. Das erlaubt dir, die Tiefen anhand der Freqenz mit mehr oder weniger Kompression als die Höhen auszustatten - oder umgekehrt.
Vorteil ist, dass Kompressions-Artefakte auf bestimmten Frequenzen entfernt werden können, indem die Kompressionsmenge im betreffenden Frequenzband reduziert oder verstärkt wird. Sie machen das, indem sie den Input durch diverse Filter aufsplitten. Jedes Signal wird dann durch seinen eigenen Kompressor geschickt und am Ende neu zusammengefügt. Man findet sie zumeist in Mastering Suites und DAW-Plugins.
Was ist ein Parallel-Kompressor?
Parallel-Kompression ist in den letzten Jahren in der Gitarreneffekt-Industrie immerpopulärer geworden. Parallel-Kompression bedeutet, dass das Dry-Signal parallel zum komprimierten Signal abläuft. Die zwei Signale werden dann über einen Blend-Regler zusammengelegt. Das macht es dem Nutzer möglich, die gewünschte Kompression einzusetzen und sie dann mit dem Dry-Signal auszubalancieren. So werden unerwünschte Artefakte aus der Kompression eliminiert.
Ein hervorragendes Anwendungsbeispiel hierfür ist, wenn ein Gitarrist das Sustain verstärken will. Da die Kompressionsmenge, die benötigt wird, um große Sustains zu erzielen, an sich ziemlich groß ist, kann das resultierende Artefakt “gequetscht" werden, wobei der anfängliche Anschlag der Note merklich niedriger ist als die anhaltende Note. Indem das Dry-Signal hinzugemischt wird, kann die anfängliche Attack beibehalten werden, während das süße, singende Sustain nachfolgt und sich perfekt damit vermischt.
Beispiele: Barber Tone Press