Für Uneingeweihte: Moon Armada ist viel mehr als nur ein Gearhersteller. Die gründenden Künstler:innen Honest Kevin und Appias Albina beschreiben es als "audiovisuelles Kunstprojekt, das sich auf die Entwicklung abstrakter Musikinstrumente konzentriert, die Experimente, Unorthodoxie und esoterische Ästhetik in den Vordergrund stellen". Und das machen sie wirklich.

Während die meisten von uns zumindest theoretisch zustimmen würden, dass Instrumente ebenso schön und künstlerisch kreativ wie funktional sein können, wird in der Regel in erster Linie ihre Funktion betrachtet. Bei Moon Armada werden diese Grenzen aber auf zweifellos unterhaltsame und einfallsreiche Weise verwischt.
Wir hatten kürzlich die Gelegenheit, mit Honest Kevin von Moon Armada über einige dieser Projekte zu sprechen—von aus Legosteinen gebauten Rhythmischen-Noise-Generatoren bis hin zu voll funktionalen Synthesizern, die in recycelten Babypuppenkörpern untergebracht sind. Die unkonventionellen Materialien, gepaart mit den ausgefallenen Designs, machen sowohl beim Betrachten als auch beim Benutzen wirklich Spaß.
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Beginnen wir mit den Marbles of Misfortune, mit denen sich Zufallssignale (oder Sequenzen) erzeugen lassen, die dann eine beliebige Anzahl von externen Synthesizern/Instrumenten ansteuern können. Wie bist du auf diese Idee gekommen?
Ursprünglich ließ ich mich von dem Klangkünstler Zimoun inspirieren, der viele Arbeiten hat, in denen er einfache Mechanismen verwendet, um feine Klänge zu erzeugen, die dann in großem Maßstab vervielfältigt werden, um schöne Geräuschwolken und Ähnliches zu erzeugen. Ich wollte so etwas auf meine eigene Art und Weise machen und kam schließlich auf die Idee mit den springenden Murmeln. Ursprünglich sollte es nur aus Dutzenden Magnetspulen und klappernden Murmeln bestehen, um eine meditative Installation zu schaffen.
Nachdem ich ein Jahr lang mehrere Prototypen mit verschiedenen Materialien gebaut hatte, war ich immer noch mit der Ästhetik unzufrieden, und auch damit, wie sehr das Ganze von meinem bisherigen Stil abwich. Also überdachte ich das Gesamtkonzept und beschloss, dass es eher meiner eigenen Art entspräche, einen Audiosynthese-Aspekt einzubauen. Daher die Trigger-/Sequenzer-Idee, die eigentlich nur dadurch entstanden war, dass ich die Bewegung der Murmeln so lange beobachtet und mir vorgestellt hatte, wie man diese Bewegungen ausnutzen könnte.
Meine Frau, mit der ich bei vielen dieser Projekte zusammenarbeite, schlug vor, die Idee zu verkleinern und Lego zu verwenden, was sich als wirklich gute Idee erwies. Es hat lange gedauert, alles auszuarbeiten und zusammenzusetzen, aber ich bin mit dem Ergebnis zufrieden und arbeite bereits an einem geistigen Nachfolger.
Wie funktionieren die Signale und Sequenzen? Muss man sich entscheiden, ob aus einzelnen Murmelschlägen getriggert wird, oder das Signal aus dem Sequenzer kommt? Oder funktioniert beides gleichzeitig?
Jede Murmelspur/jeder Sequenzer hat einen eigenen Trigger- und Sequenzerausgang, so dass jede Sequenzer/Spur-Kombination ihren eigenen Trigger- und Sequenzerausgang hat. Man kann diese Ausgänge nach Belieben routen und zum Beispiel einen Sequenzer/Spur verwenden, um eine Note zu spielen, wenn eine Murmel auf die Oberseite aufschlägt, während der Sequenzer die Tonhöhe der Note bestimmt. Diese Ausgänge können auch kombiniert werden, um noch mehr Kombinationen zu erhalten.
Die Marbles of Misfortune wurden teilweise mit Legosteinen gebaut, die du auch für den Photon Blaster verwendet hast. Warum Legos?
Wie schon erwähnt, stammt die ursprüngliche Idee, Lego zu verwenden, von meiner Frau Zhenia. Es gibt eine Reihe von Gründen, warum die Idee dann hängen geblieben ist, sowohl kreative als auch praktische. Am wichtigsten ist, dass Lego sehr gut in das esoterische Spielzeug-Kunst-Motiv passt, das ich in meiner Arbeit aufgebaut habe. Außerdem sind Legosteine heutzutage in so vielen verschiedenen Teilen und Farben erhältlich, dass man mit ihnen alle möglichen Skulpturen und Geräte bauen kann.
Praktischerweise sind Legosteine sowohl hier in Europa als auch in den USA (meinem Heimatland, in dem ich auch viel Zeit verbringe) sehr leicht zu bekommen, was viele der üblichen Kopfschmerzen bei der Herstellung von Dingen von Grund auf eliminiert.
Wie erzeugt der Photon Blaster eigentlich seinen Klang?
Der Photon Blaster verwendet einen recht einfachen, noisy Synthesizer-Schaltkreis, der Logikgatter mit Audioraten verwendet, um Rechteckoszillatoren zu erzeugen, die sich gegenseitig modulieren.
Der "Photon"-Teil kommt von den Lichtsensoren, die die Frequenzen von zwei dieser Oszillatoren steuern; der "Blaster"-Teil von den LFO-gesteuerten LEDs, die verwendet werden, um diese Lichtsensoren zu spielen, die wie eine Art Science-Fiction-Lichtkanone aussehen
Werden diese neuen Lego-Maschinen im Handel erhältlich sein? Und wird es in dieser Reihe noch weitere Modelle geben?
Ja, ich werde eine Handvoll Dinge anbieten. Ich habe einen Delay-Effekt, einen neuen Drone-Synthesizer, ein paar weitere Photon Blaster und ein paar Einzelstücke. Ich werde wahrscheinlich eher ausgefeilte, einzigartige Instrumente und Effekte aus Lego als größere Reihen herstellen.
Viele kennen Moon Armada durch die Baby Bots. Werdet ihr weiterhin Baby Bots herstellen, auch wenn ihr neue Instrumente entwickelt?
Im Moment habe ich die Absicht, sie weiter herzustellen, wobei ich nicht genau sagen kann, wie lange noch. Ich habe eine Menge neuer Projekte in Arbeit, und irgendwann könnte es notwendig sein, voranzugehen, um Zeit für andere Dinge zu haben.
Woher kommen die Babypuppen? Gibt es da inzwischen einen festen Lieferanten oder kaufst du sie einfach aus zweiter Hand, wo immer du kannst?
Früher habe ich sie gekauft, wo und wann immer ich konnte, hauptsächlich in Secondhand-Läden. Jetzt habe ich ein paar Geschäfte hier in Vilnius, die mir helfen, sie zu beschaffen. Sie kennen die Qualitäten, nach denen ich suche, und das spart mir eine Menge Zeit und Ärger.
Warum ist es dirch wichtig, Instrumente mit solch unorthodoxen Designs zu bauen? Warum sind die Schaltkreise nicht einfach in Standardgehäusen untergebracht?
Ich betrachte mich eigentlich nicht als "Musikinstrumentenbauer" im typischen Sinne; ich sehe meine Arbeit eher als die Herstellung funktionaler Kunstobjekte. Ich habe mich schon immer stark von der Indie-Spielzeugmacherszene inspirieren lassen—Leuten wie Killer Bootlegs, Pendragon und Lab Monkey Number 9 (mit denen ich ein paar Mal zusammengearbeitet habe).
Was ich mache, ist natürlich etwas anders, aber stilistisch habe ich mir viele Anregungen aus dieser Welt geholt. Im Großen und Ganzen geht es mir darum, Dinge zu machen, die man sonst nirgendwo findet.
Bei den neueren Instrumenten scheint es auch so, als läge der Schwerpunkt auf der Nutzung des Zufalls als Musikquelle. Ist das beabsichtigt? Wenn ja, was reizt dich an zufällig erzeugten Klängen?
Ich würde sagen, dass mich die Verwendung externer Stimuli als generative Quelle mehr reizt als Zufälligkeit/Chaos im Speziellen—obwohl diese Dinge oft Hand in Hand gehen. Ich versuche wirklich, mich auf Dinge zu konzentrieren, die visuell konkret sind, entweder durch Kinetik oder Licht. Das heißt: Dinge, die eine starke und ausgefeilte Korrespondenz zwischen dem haben, was man sieht und hört.
Wie stellst du dir vor, dass Künstler:innen deine Instrumente in ihrer eigenen Arbeit verwenden?
Ich habe viele eigene praktische Anwendungen für meine Instrumente, aber ich hoffe, dass Künstler:innen und andere Menschen sie einfach als ungewöhnliche, inspirierende Objekte genießen, die Konventionen und Grenzen in Frage stellen und sie dazu ermutigen, das Gleiche zu tun—so wie es die Werke unzähliger anderer für mich getan haben.

