Mehr als nur der Beatles-Bass: Die Höfner-Gitarren, die ihr kennen solltet

"Die erste Gitarre, die ich je gekauft habe", erzählt Phil Manzanera, "war eine rote Höfner Galaxie. Ich lebte damals praktisch in Südamerika, aber kaufte sie auf Kredit im Bell's Shop in Surbiton [Süd-London]. Ich spielte sie, bis ich bei Roxy Music einstieg."

1964 Höfner Galaxie 176. Foto: The Music Locker.

Manzanera war nicht allein. Die Verbindung zwischen Höfner und den Beatles ist wohlbekannt — hauptsächlich aufgrund der Bässe von Paul und Stu und der Gitarren von John und George in den frühen Tagen der Band — aber tausende junger britischer Gitarrist*innen starteten mit einer Höfner. Neben Phil Manzanera gehörten zu ihnen auch Ritchie Blackmore, Peter Frampton, David Gilmour, Peter Green, Mark Knopfler, Albert Lee, Hank Marvin, Mick Taylor, Roy Wood und viele, viele andere.

Den Jungspunden war wahrscheinlich größtenteils egal, wo ihre Höfner hergestellt wurden, aber tatsächlich kamen die Instrumente aus Deutschland. Höfner stellte erstmals in den 20er Jahren Gitarren her, obwohl die Karl Höfner-Firma bereits seit ihrer Gründung in Schönbach in den 1880er Jahren Instrumente hergestellt hatte. Die Firma nahm 1954, drei Jahre nach dem Umzug in den neuen Firmensitz in Bubenreuth, E-Gitarren ins Sortiment auf.

Die große Popularität der Höfner-Gitarren in Großbritannien ab Mitte der 50er bis weit in die 60er Jahre hinein war auf eine Beschränkung der US-Importe und die Initiative der Firma Selmer zurückzuführen. Auf die Instrumente dieser Zeit werden wir uns hier konzentrieren.

Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs kontrollierte Großbritannien die amerikanischen Importe in einem Versuch, die schlechte Finanzlage des Landes zu verbessern. Von dieser Zeit an waren neue amerikanische Gitarren nur noch selten in britischen Musikläden zu sehen. Die 1951 angekündigten Beschränkungen betrafen vor allem Lebensmittel und Industrieerzeugnisse, wie Schallplatten und verschiedene Kategorien von Instrumenten, darunter auch Gitarren.

Die Beschränkungen wurden im Laufe des Jahres 1959 aufgehoben. In der Zwischenzeit hatte Selmer in London akustische und elektrische Höfner-Gitarren aus Deutschland importiert. Höfner-Akustikgitarren kamen in Großbritannien erstmals 1953 auf den Markt, einige Jahre später kamen elektrische Modelle dazu. Die meisten wurden nach Spezifikationen von Selmer hergestellt oder modifiziert, und alle erhielten neue, britenfreundliche Modellnamen.

Höfner mit Luft im Bauch

Selmers erste von Höfner gebaute Gitarren waren akustische Archtops, die 1953 in das Sortiment der britischen Firma aufgenommen wurden: die Cutaway-losen Congress (die britische Version des deutschen Modells 449) und Senator (455); und die Single-Cutaway President (457) und Committee (keine deutsche Version). Selmer fügte einige Jahre später elektrische Versionen der Senator, President und Committee hinzu.

Die Committee wurde dabei äußerst treffend benannt, denn sie wurde in Zusammenarbeit mit einer Gruppe von sechs professionellen britischen Gitarristen entworfen: Frank Deniz, Ike Isaacs, Jack Llewellyn, Freddie Phillips, Roy Plummer und Bert Weedon.

19580 Höfner Committee. Fotos: The Guitar & Pedal Exchange.

Die elektrische Committee saß an der Spitze des Hollowbody-Trios, mit zwei Tonabnehmern, auffälligen Griffbrettmarkierungen, einer verzierten Kopfplatte (Selmer nannte es "frondose", ein passend ausgefallenes Wort für "blattähnlich") und einem eingelegten Korpusrücken. Die beiden anderen elektrischen Modelle, die Senator mit einem und die President mit zwei Tonabnehmern, hatten jeweils charakteristische Griffbrettmarkierungen mit drei Punkten.

Ende der 50er Jahre bot Selmer-Höfner neun nur in Großbritannien erhältliche elektrische Hollowbodys an: die Golden Hofner, Committee, President, Senator, Club 40, Club 50 und Club 60. Selmer beschrieb die Goldenen Hofner in akustischer und elektrischer Form als Höfners "Meisterwerk der Gitarrenperfektion", und sie war sicherlich die kunstvollste und attraktivste elektrische Höfner.

1959/'60 Golden Hofner. Foto: New Kings Road.

Um 1959 begann Selmer die Golden Hofner als luxuriösestes aller Modelle zu verkaufen. Die naturlackierte Gitarre stand an der Spitze der britischen Preisliste und zeichnete sich durch ausgefallene Perlmutteinlagen auf dem Ebenholzgriffbrett und der "Frondose"-Kopfplatte, dekorative Einlegearbeiten auf der Rückseite des geflammten Korpus (es gab auch eine "Thin"-Version mit dünnerem Korpus), verzierendes Binding und vergoldete Metallarbeiten aus. Nur wenige Exemplare wurden hergestellt und so ist sie unter Sammlern zur begehrtesten Selmer-Höfner geworden.

Höfner hatte schon mit den Thin-Versionen einiger der Hohlkörpermodelle das Thinline-Konzept von Gibson übernommen, aber die 1960 auf den Markt gebrachte Verithin mit doppeltem Cutaway hatte noch offensichtlichere Gibson-Ähnlichkeiten. Ihr Name lässt keinen Zweifel daran, dass es sich bei der Verithin um eine Thinline-Version handelte, die auch den doppelten Cutaway der Gibson 335 besaß, aber keinen Innenblock hatte, so dass sie eher einer 330er ähnelte.

Weitere Hofner-Hohlkörpermodelle aus dieser Zeit waren die Ambassador mit Doppel-Cutaway und die Violin Guitar, eine Gitarrenversion des Hofner Violin Bass, der durch seine Beatles-Verbindung berühmt geworden ist.

Bert: Selmers Geheimwaffe

Bert Weedon, der meistbeschäftigte britische Session-Gitarrist der 50er Jahre, war fast von Anfang an ein Star unter den Selmer-Hofner-Endorsern. "Weihnachtsstrümpfe werden in diesem Jahr eine seltsame Form haben, wenn sich die Vorhersagen über die größten Gitarrenverkäufe aller Zeiten bewahrheiten", berichtete Melody Maker im Dezember 1957.

"Das Instrument ist heute in Großbritannien so beliebt, dass Selmer eine Luftbrücke mit Hofner-Gitarren aus Deutschland organisiert hat. Das erste Lufthansa-Flugzeug, das fast 1.000 Gitarren lieferte, wurde diese Woche auf dem Londoner Flughafen von Bert Weedon begrüßt. Um angehende Gitarristen zu unterstützen, tritt Bert Weedon persönlich in Musikgeschäften auf und gibt Ratschläge und Vorführungen."

Bert spielte in den Backing-Bands von US-Stars, die nach Großbritannien kamen, wie Frank Sinatra und Judy Garland, und im Studio half er mit Acts wie Billy Fury und Tommy Steele (ein weiterer Höfner-Spieler), Großbritanniens Auffassung von Rock'n'Roll mitzukreieren. Bert begann seine Karriere mit einer englischen Abbot-Victor-Gitarre, wechselte aber bald zu Höfner, wo er zunächst der akustischen Committee einen Tonabnehmer verpasste und später verschiedene elektrische Höfner spielte.

Sein äußerst einflussreiches Lehrbuch Play In A Day wurde 1957 veröffentlicht, mit einem Titelbild auf dem Bert und seine Höfner prominent vertreten waren. Er trat regelmäßig im Radio und Fernsehen auf und hatte 1959 seinen ersten Solo-Hit mit "Guitar Boogie Shuffle", einer Coverversion der elektrischen Bearbeitung der Virtues von Arthur Smiths "Guitar Boogie"-Instrumentalstück aus den späten 40er Jahren. Bert war ein großer Botschafter für die Gitarre und gleichzeitig auch für Hofner.

Willkommen im Club

Höfners Club 40 und Club 50 E-Gitarren erschienen erstmals 1955. Diese Modelle mit einem (40) und zwei Tonabnehmern (50) hatten kleine Hollowbodies ohne F-Löcher und mit einzelnem Cutaway, die locker der Form und Größe von Gibsons jüngsten neuen Les Paul-Modellen nachempfunden waren. Die Club 40 war die Selmer-Version von Höfners eigenem Modell 125, die Club 50 war das britische Äquivalent der deutschen 126.

Wie die meisten von Selmers frühen Höfner E-Gitarren geben uns auch die Clubs zwei große sichtbare Hinweise auf den Zeitpunkt ihrer Herstellung: Die frühesten britischen Exemplare hatten dünne Tonabnehmer mit schwarzen Plastikabdeckungen, verbunden mit einer charakteristischen ovalen Platte für die Bedienelemente der Gitarre

1960 Club 40. Foto: The Music Locker.
1961 Club 50. Foto: Copper Chord Music.

1958 wurde der Stil auf eine neue rechteckige Platte umgestellt, die Selmer "the new flick action change" nannte. Bald darauf erhielten die E-Gitarren konventioneller aussehende, metallummantelte Tonabnehmer verschiedener Typen.

Das hochwertigere Zwei-Tonabnehmer-Modell Club 60 mit seinem Ebenholzgriffbrett und den edlen Inlays wurde 1958 in Selmers Sortiment aufgenommen. Das Zwei-Tonabnehmer-Modell Club 70 erschien gegen Ende der 60er Jahre nach dem Auslaufen der 40, 50 und 60 und sticht optisch als einzige Club mit am Korpus montierten Bedienelementen heraus.

Reise durch die Galaxie

Selmers erste elektrische Solidbody-Höfner waren die Colorama-Modelle, die um 1956 eingeführt wurden. Diese ersten Versionen sahen billig und einfach aus (waren aber "praktisch unzerstörbar", wie Selmer hilfreich anmerkte), mit einem einzigen Cutaway, in Ein- oder Zwei-Pickup-Versionen und verschiedenen Farben mit einem kontrastierenden Schlagbrett.

1959 Hofner Colorama. Foto: Dayton Vintage Guitars & Amps.

Unter späteren Coloramas waren Modelle mit doppeltem Cutaway und einer Sechs-pro-Seite-Kopfplatte im Fender-Stil, Ende der 60er Jahre hatten sie einen Offset-Korpus. Weitere Selmer-Höfner-Solids waren die Offset V-Serie in den frühen 60er Jahren und die Strat-Style Super-Serie etwas später im Jahrzehnt.

1963 stellte Selmer die überzeugendste Solidbody-Höfner vor, die Offset Galaxie, die den jungen Phil Manzanera so anzog. Sie hatte starke stilistische Anklänge an die Fender Stratocaster, kombiniert mit Höfners Gespür für detaillierte Bedienelemente, eine typisch deutsche Note dieser Zeit.

Die Galaxie verfügte über einen Solo/Rhythmus-Boost-Schalter, drei einzelne Tonabnehmer-Toneräder, ein Master-Lautstärkerad und drei Tonabnehmer-Ein/Aus-Schalter, die mit Bass On, "Discant" On und Treble On gekennzeichnet waren.

In Selmers Katalog, der sich sich in Sachen Hype nie groß zurückhielt, wurde behauptet, dass die Galaxie "von der Handwerkskunst geschaffen wurde, die Höfner zu einem Namen gemacht hat, der seinesgleichen sucht". Ebendieser Name war es auch, der für viele britische Gitarrist*innen eine Ära definierte, in der ihre Liebesbeziehung mit der Gitarre begann.


Über den Autor: Tony Bacon schreibt über Musikinstrumente, Musiker und Musik. Er ist Mitbegründer von Backbeat UK und Jawbone Press. Zu seinen Büchern gehören Electric Guitars: Design and Invention, Echo And Twang und Electric Guitars: The Illustrated Enzyclopedia. Tony lebt in Bristol, England. Weitere Informationen unter tonybacon.co.uk.

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