Ein Audio-Kompressor ist ein spezieller Verstärker, der das Verhältnis zwischen dem höchsten Pegel (Peak) und dem niedrigsten Pegel eines Signals verringert. Dieses Verhältnis in Dezibel wird als Dynamikbereich bezeichnet. Ein Kompressor verkleinert den Dynamikbereich.
Bei einer Gitarre zum Beispiel beträgt dieser etwa 20 dB. Ein Kompressor kann den Dynamikbereich verkleinern, so dass die leisen Töne lauter und die lautesten Töne leiser erscheinen und ein gleichmäßiger klingendes Signal entsteht. Dadurch, dass die Peaks reduziert werden, kann das Signal insgesamt ohne zu übersteuern verstärkt werden, so dass die durchschnittliche Lautheit des Signals angehoben wird.
Häufig gebrauchte Begriffe:
Ratio: Die Ratio (Kompressionsverhältnis) regelt, wie stark der Kompressor den Dynamikbereich verkleinert. Ein Verhältnis von 4:1 zum Beispiel bedeutet, dass der Kompressor bei einem Anstieg des Ausgangssignals um 4 dB das Ausgangssignal des Kompressors um 1 dB erhöht. 4:1, 8:1, 12:1 und 20:1 sind gebräuchliche Voreinstellungen für die Ratio, wobei ein Verhältnis von 8:1 im Allgemeinen als die Grenze gilt, über der ein Kompressor zu einem Limiter wird.

„The Warden" von EarthQuaker Devices
Threshold: Der Threshold (Schwellenwert) ist der Signalpegel, ab dem der Kompressor zu arbeiten beginnt. Anders ausgedrückt: Wenn als Schwellenwert ein bestimmter Dezibel-Pegel festgelegt wird, werden nur die Teile des Eingangssignals bearbeitet, die diese Schwelle überschreiten. Alle Teile des Signals, die unterhalb dieses Schwellenwerts liegen, bleiben vom Kompressor unberührt. Das Signal darüber wird auf das gewählte Verhältnis „komprimiert".
Knee: Das Knee (Knie) legt fest, wann genau der Kompressor damit beginnt, die Verstärkung zu reduzieren. „Hard Knee" ist der abrupte Wechsel vom unbearbeiteten zum komprimierten Signal. Es gibt keinen Übergang, sondern nur die sofortige Kompression ab dem Moment, in dem der Schwellenwert überschritten wird. „Soft Knee" erweitert den Schwellenwertbereich und erzeugt einen weniger wahrnehmbaren Übergang zur Kompression.
Attack Time: Die Attack Time (Ansprechzeit) legt fest, wie viel Zeit zwischen dem Überschreiten des Schwellenwerts und dem Einsetzen des Kompressors vergeht. Sie wird in Millisekunden gemessen. Übliche Attack-Zeiten reichen von 1 ms bis mehr als 100 ms. Sie hat Auswirkungen darauf, wie hell der Ton im Allgemeinen wahrgenommen wird. Transienten haben großen Anteil am Eindruck der Helligkeit eines Klangs. Kurze Attack-Zeiten reduzieren den Anteil von Transienten im Signal, was oft zu einem dumpferen Klang führt - insbesondere bei perkussiven Klängen.
Release Time: Die Release Time (Abklingzeit) legt fest, wie viel Zeit vergeht, bis der Kompressor zum Verstärkungsfaktor Eins zurückkehrt, nachdem das Eingangssignal unter den Schwellenwert gefallen ist. Typische Abklingzeiten reichen von 5 ms bis mehr als 5 Sekunden. Die Release-Zeit kann ziemlich große Auswirkungen auf den Klang haben. Bei sehr kurzen Release-Zeiten können die tiefen Frequenzen verzerrt werden. Bei sehr langen Release-Zeiten kann es zum „Pumpen" - einer in der Regel ungewollten plötzlichen Verstärkungsreduzierung - oder „Atmen" - einer langsamen Rückkehr zum Verstärkungsfaktor Eins mit einer merklichen Zunahme des Grundrauschens - kommen.
Häufige Missverständnisse und zusätzliche Anmerkungen
Kompressoren werden im Gitarrenbereich häufig als Sustainer eingesetzt. Es ist ein weitverbreitetes Missverständnis, dass das Sustain (Nachklang) der eigentliche Bestimmungszweck eines Kompressors wäre. Tatsächlich aber ist er nur ein Nebeneffekt der Kompression. Ein Kompressor hat die Aufgabe, den Ausgangspegel mehr oder weniger auf demselben Niveau zu halten, selbst wenn der Eingangspegel abnimmt. Das ist der Grund dafür, dass ein Kompressor für mehr Sustain sorgt.
Ein Kompressor verkleinert das Verhältnis zwischen dem leisesten und dem lautesten Ton. Hierzu setzt er den Ausgangspegel der lautesten Töne herab. Wenn wir an einem Verstärker die Lautstärke einstellen, haben wir die lautesten Töne im Sinn. Wenn aber diese lautesten Töne auf einen Pegel komprimiert werden, der dem mittleren Pegel näher ist, muss irgendeine Art von ausgleichender Verstärkung erfolgen, um den ursprünglichen Pegel beizubehalten. Dies geschieht in der Regel über den Output-Regler (oder Volume-Regler) des Kompressors.
Da der Kompressor die Lautstärke der lautesten Töne reduziert, klingt es, als würden die leisesten Töne - und das Grundrauschen - verstärkt. Die ruhigeren Teile werden tatsächlich nicht verstärkt. Da aber die Pegel näher beieinander liegen und die leisen Töne nicht so weit von den lautesten Tönen entfernt sind, liegt auch das Hintergrundrauschen näher an den lautesten Tönen, so dass es deutlicher hervortritt.
Dieses Konzept wird von Menschen mit keiner oder nur wenig Erfahrung mit Kompressoren häufig nicht ganz verstanden, so dass beim Auftreten dieses natürlichen Artefakts der Kompressor oft fälschlicherweise als „rauschender" Kompressor bezeichnet wird. Wenn ein Kompressor rauscht, liegt das häufig daran, dass ein Rauschen, das an einer anderen Stelle in der Signalkette entsteht, erst wahrgenommen wird, wenn das Signal komprimiert wurde. Meiner Erfahrung nach liegt dies meistens an einem Overdrive- oder Fuzz-Pedal, an einer schlechten Verdrahtung der Gitarre oder an schlechten Patch-Kabeln.