Drums zu mischen, egal ob akustisch oder elektrisch, kann eine Herausforderung sein. Es ist eine große Aufgabe, sie im Mix richtig unterzubringen und dabei den Punch, den Attack-Verlauf und die Klangcharakteristik des Schlagzeugs zu erhalten.
Hier kommt nun die Kompression ins Spiel. Es gibt ein paar bewährte Methoden, um diesen gelierten Drumsound zu erhalten, der seinen ganzen Charakter behält:
Jede Drumspur komprimieren: Eine gute Methode, um Läufe von einzelnen Drums zu bewahren und ihren individuellen Charakter hervorzuheben.
Zweistufige Kompression: Erst komprimierst du jeden einzelnen Drumtrack, dann sendest all diese Kanäle in einen Buskanal, der ebenfalls komprimiert ist.
Parallelkompression: Komprimierte Drums werden Seite an Seite mit unkomprimierten Drums gemischt.
Das funktioniert alles gut, aber du kannst deinen Drumsound sogar noch größer machen, indem du diese einfachen Techniken zu einem Kompressionsverfahren verbindest, das ich Zweistufige Parallelkompression nenne. Legen wir gleich los.
Eine kurze Einführung in die Parallelkompression
Parallelkompression, manchmal New York Compression genannt, ist eine der mächtigsten verfügbaren Mixtechniken für Drums. Die Technik kann auch auf Gesang und viele weitere Elemente in einem Mix angewendet werden.
Im Prinzip werden die unkomprimierten Drumtracks auf einen Bus mit einem einzelnen Kompressor geroutet anstatt den Kompressor direkt auf die Drumspur zu legen. Das ermöglicht dir, die unkomprimierten Drums parallel zu einem Signal zu mischen, das Kompression auf alle Drums auf einmal anwendet. Hier laufen dann das trockene und das effektverstärkte Signal parallel zueinander.
Alternativ kannst du deine unkomprimierten Drums an zwei Busse senden — einer bleibt unkomprimiert und auf einem liegt ein Kompressor. Ich gehe später noch genauer auf diese Routingoptionen ein. In jedem Fall bedeutet Parallelkompression immer einen Drummix ohne Kompression neben einem Drummix mit Kompression.

Waves API 2500 Compressor
Parallelkompression erlaubt uns dank der trockenen Drumtracks, Attack-Verläufe zu erhalten und komprimiert und gleicht die Levels jener Drums über den feuchten, komprimierten Buskanal zugleich an. Dein Dynamikumfang wird reduziert, damit die Drums besser in den Mix passen, aber ihre Attack-Charakteristika bleiben erhalten und stechen genau so hervor, wie sie müssen.
Du kannst dann die verschiedenen Signale per EQ nach Geschmack anpassen, um einen kompakten Drumsound zu erhalten.
Du brauchst einen sehr schnell agierenden, schweren Kompressor für den feuchten Kanal, etwa den API2500 oder jeden anderen VCA-Kompressor.
Der Unterschied zwischen zweistufiger und Parallelkompression
Einige behaupten, Parallelkompression sei eine Art zweistufiger Kompression, aber das ist so nicht ganz richtig.
Zweistufige Kompression (manchmal serielle Kompression genannt) würdest du als Technik beispielsweise dann verwenden, wenn du Bass- und Snaredrums auf individuellen Kanälen komprimieren und dann beide an deinen Drumbus senden würdest, auf den du einen weiteren Kompressor anwendest.

Parallelkompression
Im Gegensatz dazu musst du bei Parallelkompression definitiv sowohl ein unkomprimiertes als auch ein komprimiertes (oder ein trockenes und ein feuchtes) Signal parallel laufen lassen. Im zweistufigen Verfahren existiert kein unkomprimiertes Drumsignal.
Signale für Parallelkompression routen
Bevor ich erkläre, wie man zweistufige und Parallelkompression technisch miteinander verknüpft, möchte ich erläutern, wie man eine traditionelle Parallelkompression routet. Es gibt mehrere Möglichkeiten, das zu tun.
Du kannst einfach alle deine unkomprimierten Drumtracks im Mix haben und sie an einen Send- oder Aux-Kanal mit einem Kompressor leiten. Die individuellen Drumtracks erklingen als dein einzelner komprimierter Kanal zur gleichen Zeit. Das ist für Parallelkompressions-Routing jedoch nicht ideal, weil du jeden Regler bei deinen unabhängigen trockenen Spuren justieren musst, wenn es Zeit ist, deine unkomprimierten und komprimierten Signale zu mischen.
Grundsätzlich wirst du deine individuellen Drums an zwei individuelle Busse senden wollen. Am einfachsten ist es, die Ausgänge all deiner Drumtracks auf zwei individuelle Tracks zu legen. Nur diese zwei sind hörbar. Du leitest deine individuellen Spuren an einen unkomprimierten Output-Bus und an einen Send-Kanal-Bus mit Kompressor weiter.
Wenn du einen API 2500 Emulator benutzt, verwende folgende Einstellungen:
- Attack: FASTEST .03
- Release: Variable auf 50 ms schnell
- Ratio: 10:1
- Tone: Hart und Laut
- (Feedforward-Kompressor)
- Link: HP (High Pass) 100%
Wenn du einen API 2500 Emulator benutzt, verwende folgende Einstellungen:
- Attack: FASTEST .03
- Release: Variable auf 50 ms schnell
- Ratio: 10:1
- Tone: Hart und Laut (Feedforward-Kompressor)
- Link: HP (High Pass) 100%
So kannst du den einzelnen, unkomprimierten Outbus-Buskanal nebenher zum komprimierten Sendekanal abmischen.
Auf dem komprimierten Sendekanal benötigst du einen Kompressor mit sehr schneller Attack, mittlerer Releasezeit und hoher Ratio. Derart stark komprimierte Drums sind meist nicht erstrebenswert, weil das die Attack-Verläufe und die dynamischen Nuancen abtötet. Hier jedoch ist es perfekt, weil wir all jene Läufe und Nuancen vom unkomprimierten Drumtrack bekommen.
Stelle EQ und Levels für die individuellen Drumkanäle auf jeden Fall genau ein, bevor du sie durch diese Buskonfiguration schickst, denn du willst ja mit dem bestmöglichen Drummix arbeiten, bevor du ihn komprimierst und damit die Sounds änderst.
Wir gehen diesen Routingprozess einmal mit Pro Tools durch.
Du kannst alle deine Drums auswählen (Kick, Snare usw.) und sie an den Stereoausgangs-Bus ½ senden und dann dieselben Audiokanäle an Stereo-Bus-Send ¾ schicken.
Bei Pro Tools auf dem Mac wählst du alle Drumkanäle aus und hältst dann ALT+SHIFT gedrückt, während du deine Bus-Routings wählst. Das weist alle ausgewählten Kanäle automatisch zu, sobald du den Send bestimmt hast.
Lasse einfach Stereoausgangs-Bus ½ unkomprimiert und lege einen Kompressor auf den Stereo-Bus-Send ¾.

Parallelkompressions-Routing mit Pro Tools
Du kannst Parallelkompression auch in Ableton Live einrichten. Erstelle einen neuen Audiotrack und schalte die Audio An-Menüs für sämtliche individuellen Drumspuren so, dass sie in diesen neuen Audiotrack münden. Bezeichne die Spur, die alle angelieferten einzelnen Drumspuren enthält, z.B. mit „Unkomprimierte Drums".
Als nächstes richte einen deiner Send-Tracks so ein, dass er einen Kompressor enthält. Abletons Standardeinstellung legt Reverb und Delay auf Send-Tracks, aber diese Effekte sind einfach zu löschen und zu ersetzen. Ist der Send mit Kompressor eingerichtet, drehe den entsprechenden Send-Regler für deine „Unkomprimierte Drums"-Spur komplett auf. Jetzt läuft dein unkomprimierter Bus Seite an Seite mit deinem komprimierten Send-Bus.
Zu erwähnen ist in diesem Zusammenhang auch, dass Ableton Lives Compressor- und Glue Compressor-Effekte beide über Dry/Wet-Schalter verfügen. Da Parallelkompression ein trockenes, unkomprimiertes Signal mit einem feuchten, komprimierten Signal mischt, erhältst du den gleichen Effekt wie mit Parallelkompression, wenn du die Kompression einfach auf diese Effekte anwendest und den Regler einsetzt.
Im vorliegenden Fall legst du den gewünschten Kompressor auf den Einzeltrack, bei dem alle Drums landen, wählst deine gewünschten Komprimierungseinstellungen und regelst via Dry/Wet-Regler nach Geschmack nach.
Zweistufige Parallelkompression einrichten
Noch mal: Zweistufige Kompression beschreibt den Prozess, in dem individuelle Drumspuren komprimiert und dann allesamt auf eine Einzelspur geroutet werden, auf der ebenfalls ein Kompressor liegt.
Die zweistufige Parallelkompressions-Technik baut darauf auf. Anstatt Drums einfach auf zwei Stufen zu komprimieren, verwenden wir Parallelkompression auf zwei Stufen. Du führst die Parallelkompression einmal und dann noch einmal durch.
Wenn du die Einstellungen auf dem Pro C2 selbst vernehmen willst, probiere es so:
- Attack: Langsamer als API - 2 bis 4 ms
- Release: Schneller als API - 150 ms
- Ratio: 10:1
- Style: Classic (ein Feedback-Style-Kompressor)
- Knee: mittel zwischen hart und weich
- *Sidechain-Funktion aktiviert (sitzt direkt über dem Kick; Audition auf Zuhören)
Wenn du die Einstellungen auf dem Pro C2 selbst vernehmen willst, probiere es so:
- Attack: Langsamer als API - 2 bis 4 ms
- Release: Schneller als API - 150 ms
- Ratio: 10:1
- Style: Classic (ein Feedback-Style-Kompressor)
- Knee: mittel zwischen hart und weich
- *Sidechain-Funktion aktiviert (sitzt direkt über dem Kick; Audition auf Zuhören)
Ein weiteres Beispiel aus Pro Tools.
Im folgenden Szenario wollen wir einen dritten Routing-Kanal erstellen, den wir die „Drum-Gruppe" nennen. Sende deinen unkomprimierten Stereoausgangs-Bus und deinen komprimierten Send-Bus an diese neue Drum-Gruppe. Dann hast du deine gesamte Parallelkompression in einer Spur vereint.
Wie oben in Bezug auf Ableton Live erwähnt, liefert die Verwendung des Trocken/Feucht-Reglers bei einem Kompressor-Plugin das gleiche Ergebnis wie die Parallelkompression. Um die zweite Stufe Parallelkompression auszuführen, lege eine Kompressor-VST mit einem Trocken/Feucht-Feature auf deine neue Drum-Gruppe-Spur und passe es mit dem Wähler je nach Gusto an.
Ich glaube, die perfekte VST für den Job ist Fab Filter Pro C2. Als Basis bietet sich eine Voreinstellung namens „Parallelkompression" an. Mit diesem Plugin ist es leicht, deine Drumsounds in der zweiten Stufe dieses zweistufigen Parallelkompressionsprozesses aufzumotzen und abzurunden.

Fab Filter Pro C2-Grenzbereich
Du musst dabei den Grenzbereich im Auge behalten. Du solltest den Regler zurückdrehen, bis es beim Durchspielen etwas in die Drumläufe hineingeht. Wenn das eingerichtet ist, beginne die Wiedergabe mit der Attack, um sicherzustellen, dass die Läufe wirklich gut hörbar sind.
Dann hast du es geschafft - ein nuancierter, dennoch kräftiger Drummix, der sich einfach aus dem doppelten Einsatz von Parallelkompression ergibt.
Software & Plugins