Die wilde Welt der Wurlitzer-E-Pianos

Welche schwer zu fassende Kreatur wird nur selten in freier Wildbahn gesehen, hat aber sowohl das Brüllen als auch den Biss eines wilden Tieres? Vergesst Werwolf und Bigfoot, wir sprechen vom Wurlitzer E-Piano.

Das Rhodes-Piano, das in seiner frühesten Form von Harold Rhodes in den 1940er Jahren entwickelt und von Fender in den 60er und 70er Jahren im großen Stil produziert wurde, war schon immer das beliebteste E-Piano, aber das Wurlitzer ist der ewige Underdog—die Wahl für anspruchsvolle Keyboarder*innen mit einer Vorliebe für das rauere Ende des Klangspektrums.

Während das Rhodes einen sauberen, sanften Sound hat, der es in Pop und Jazz allgegenwärtig machte, war das Wurly immer der Rocker, mit einem dreckigen, organischen Vibe, der genau die richtige Menge an souliger Schärfe bietet. Es wurde nur von 1954 bis 1984 produziert, aber in dieser relativ kurzen Zeitspanne hat es einen Einfluss ausgeübt, der noch Jahrzehnte, nachdem das letzte Gerät die Fabrik verlassen hat, zu spüren ist.

Heute werden die Wurlitzer immer seltener, da die Nachfrage steigt und die Bestände schwinden. Musiker*innen, die noch nicht einmal geboren waren, als die Wurly-Produktion eingestellt wurde, sind begierig darauf, den rauen, sexy Sound von Ray Charles auf "What'd I Say" oder die minusgradig coolen Riffs von Benmont Tench auf Tom Petty & The Heartbreakers' "Breakdown" nachzuahmen.

Hinter dem Sound

Alles ist Teil eines Vermächtnisses, das begann, als das erste Modell 100 in Wurlitzers Hauptquartier in North Tonawanda im Bundesstaat New York vom Band lief. Das Unternehmen hatte bereits eine erfolgreiche Geschichte als Hersteller von Orgeln und akustischen Klavieren hinter sich, als es sich mit einem als "elektronisches Klavier" vermarkteten Instrument selbstständig machte. Der Klang des Klaviers wird dabei tatsächlich aber nicht elektronisch erzeugt, wie wir es von anderen elektronischen Instrumenten gewohnt sind. Der Klang eines E-Pianos entsteht vielmehr durch das Anschlagen eines Hammers auf ein Metallblatt oder einen Zinken, das durch ein Tonabnehmersystem verstärkt wird, das dem in E-Gitarren verwendeten Konzept ähnelt.

Wurlitzer 120
Wurlitzer 120. Foto von Miles Gear Bazaar.

Als Inhaber von Doc Wurly ist der Keyboarder Steve Espinola New Yorks einziger exklusiver Spezialist für die Restaurierung und Reparatur von Wurlitzer-E-Pianos. "Das Wurlitzer hat eine viel ausgefeiltere Mechanik [als ein Rhodes]", sagt Espinola. "Man kann wirklich viel mit den Hämmer machen, die nach oben kommen und auf die Stimmzungen treffen. Es ist nicht so hübsch wie ein Rhodes; es hat ein bisschen mehr Biss. Die Hämmer, die auf die Federstahlstücke treffen, haben etwas an sich, das einen Ausdruck ermöglicht, den ich mit einem Rhodes nie erreichen konnte."

Der Sänger, Songschreiber und Multiinstrumentalist Peter Holsapple ist vor allem als Co-Frontmann von The dB's und Aushilfsmitglied von R.E.M. und Hootie & The Blowfish bekannt. "Das Rhodes fühlt sich für mich wie ein weniger sensibles Instrument an", sagt er. "Es ist für mich als Spieler weniger ausdrucksstark. Ich habe sowohl Rhodes- als auch Wurlitzer-Pianos gespielt. Die Mechanik des Wurlitzer ist für mich besser. Der Klang ist angenehmer für das Ohr. Er ist weniger steril. Ich habe das Gefühl, dass das Rhodes eine gewisse Sterilität hat. Ich würde für alles, was ich aufnehme, ein Wurlitzer bevorzugen."

Einer der eigenwilligsten Aspekte des Wurlitzer-Designs ist die bizarre, kontra-intuitive Stimmmethode. "Die Stimmung der Wurlitzer ist verrückt", erklärt Espinola. "Das Stimmen dieser Dinger ist einer der erstaunlichsten, lustigsten Alpträume des Designs. Es ist ein Stück Federstahl [die Stimmzunge] mit einem Klumpen Lot am Ende. Man stimmt sie, indem man entweder das Lot abfeilt oder Lot hinzufügt, und das ist eine Sache von Versuch und Irrtum. Es ist wahnsinnig mühsam. Nachdem ich das seit mehr als 25 Jahren mache, bin ich ziemlich schnell darin. Rhodes war zuerst da, also musste Wurlitzer etwas entwickeln, das damit konkurrieren konnte, ohne die Patente von Rhodes zu verletzen. Vielleicht sind sie so zu diesem verrückten Stimmsystem gekommen."

Wurlitzer 140B
Wurlitzer 140B. Foto von Pittsburgh Vintage Keys.

Holsapple erinnert sich, dass das Stimmen des Instruments Teil seines Initiationsrituals als junger Wurly-Spieler war. "Ich fand ein 140er, das ich als Kind für 50 Dollar bekommen hatte", erinnert er sich, "ich war damals 15. Ein großes, kastenförmiges Ding, von dem jemand den ganzen Lack abgekratzt hatte und das dringend gestimmt werden musste, aber es gehörte mir. Ich versuchte, mir Elton John und Nicky Hopkins und Leon Russell beizubringen, aber wer bringt schon sein Klavier zu einem Auftritt mit? Das Wurlitzer schien die Antwort zu sein, aber es war schrecklich verstimmt. Also lernte ich, wie man das Instrument öffnet, den Deckel abnimmt, Lötzinn auf die Stimmzungen aufträgt und versucht, sie abzufeilen."

Als aktiver Wurly-Spieler lernte Espinola das Innenleben des Instruments kennen. "Ich ging mit diesen Instrumenten auf Tour oder war im Studio, und die Stimmzungen brachen einfach. Ich erinnere mich an eine Aufnahmesession, bei der ich eine verloren habe. Ich achtete darauf, immer eine dabei zu haben, denn damals waren sie noch billig. Ich investierte in ein komplettes Set von Stimmzungen, hatte sie immer zur Hand, schraubte den Deckel ab und wechselte sie mitten im Gig aus. So fing es an. Je tiefer ich in die Materie einstieg, desto demütiger wurde ich vor dem, was dazu gehört. Es gibt immer mehr zu lernen, und manches ist wirklich esoterisch."

This Year's Model

Bei all der Esoterik ist es eine der schwierigsten Aufgaben, den Überblick über die Unterschiede zwischen den Modellen zu behalten, die Wurlitzer im Laufe der Jahre eingeführt hat. Das 100, 110 und 112 waren die ersten Wurlys, die zwischen 1954 und 55 eingeführt wurden und geringfügige Variationen aufwiesen.

"Sie haben wenig Sustain", sagt Espinola. "Die Mechanik ist klobig, man kann sie nicht weich spielen. Es gibt nur sehr wenige Aufnahmen der ersten Wurlys. Duke Ellington hat schon sehr früh eine Session gespielt und Sun Ra hat sein 110er oft auf seinen ersten Singles und Alben aufgenommen." 1956 kam das 120er auf den Markt, das mit einem Tremolo-Effekt das Spiel veränderte. Ray Charles benutzte es 1959, um die sinnlichen Riffs von "What'd I Say" einzuspielen.

Ray Charles - What'd I Say (Official Audio)

Mit dem 140 ging es dann richtig los. Es wurde zwischen 1962 und 1968 hergestellt und war das erste Wurly, das den Röhrenverstärker durch Transistor-Technologie ersetzte. Mit Spooner Oldhams Licks auf Aretha Franklins "I Never Loved a Man (The Way I Love You)", Earl Van Dykes anzüglichen Vamps auf Marvin Gayes "I Heard It Through the Grapevine" und Joe Zawinuls brodelnden Riffs auf Cannonball Adderleys "Mercy, Mercy, Mercy" hat sich das 140er in unsere Herzen gespielt.

"Es gibt keine Kompromisse", sagt Espinola über das 140. "Das physische Design ist so gut, wie es nur sein kann. Sie fühlen sich wunderschön an, sie klingen wunderschön, und sie wurden immer noch in ausreichend kleinen Stückzahlen hergestellt, so dass eine Menge individueller Sorgfalt in sie einfloss."

Aber das Modell, vor dem sich Liebhaber*innen alter E-Pianos am meisten verneigen, ist die 200er-Serie, die von 1968 bis zum Ende der Produktlinie im Jahr 1984 gebaut wurde. "Sie gehen ein paar Kompromisse beim Spielgefühl ein, um alles kompakter zu machen", erklärt Espinola. "Sie klingen aber immer noch gut, sind viel haltbarer und Tour-tauglicher. Man kann sie alleine tragen, ohne sich zu verletzen."

Supertramp - Dreamer [Official Music Video]

Die 200er—vor allem die 74 eingeführte 200A—waren schon immer ein gefundenes Fressen für Rocker. Ian MacLagan prügelte auf rohen, ausgelassenen Faces-Klassikern wie "Stay With Me" das Licht der Welt aus einem 200er. Der gesamte Sound von Supertramp drehte sich um das 200, das von den beiden Frontmännern der Band, Roger Hodgson und Rick Davies, manchmal sogar gleichzeitig gespielt wurde. Es gibt Geschichten darüber, dass die Band alle Wurlys, die sie in die Finger bekamen, ausliehen und im Studio sammelten, um herauszufinden, welche davon für ihre Aufnahmen passten.

Auch die Popstars der 70er und 80er Jahre waren ganz vernarrt in die späten Modelle der Wurlys. Richard Carpenter spielte ein 140B und ein 200 auf vielen Carpenters-Songs. Natürlich hatten Hitmacher seines Ranges eine besondere Beziehung zu dem Unternehmen. "Wurlitzer schickte mir jedes neue E-Piano-Modell kostenlos", sagte Carpenter, "und schickte den Mann, der das E-Piano eigentlich erfunden hatte, Cliff Anderson, von Illinois nach Kalifornien, der dann spezielle Modifikationen vornahm."

School Days

Wurlitzer hatte einen starken Nebenzweig in Schulmodellen der E-Pianos, darunter das 106P, 146 und 206/207. Diese Modelle eigneten sich sowohl für den Unterricht in Schulen als auch für das Üben zu Hause, da es sich bei einigen um Einzelinstrumente für den Heimgebrauch handelte, während bei Konfigurationen wie dem 106P mehrere Klaviere auf einem einzigen Hauptrahmen montiert waren.

"Es ist ein Klavier, bei dem dein Kind sich selbst beim üben hören kann, ohne dass du das musst", erklärt Espinola. "Man konnte mit Kopfhörern Klavier spielen und die Familie mehr oder weniger davor bewahren, die eigene miese Interpretation von 'Mary Had a Little Lamb' hören zu müssen, und das war ein großes Verkaufsargument."

Wurlitzer 206a mit Vibrato

Die Schulmodelle wurden in Arthur Penns Film Alice's Restaurant aus dem Jahr 1969 einprägsam festgehalten, wo wir sehen, wie der junge Arlo Guthrie aus dem Musikunterricht geworfen wird, weil er statt des klassischen Repertoires seine eigene Melodie spielt. "Mit den Lehrermodellen konnten einzelne Lehrer*innen bis zu 24 Schüler gleichzeitig unterrichten", sagt Espinola. "Es gab einen Umschaltmechanismus durch den man einzelne Schüler*innen hören konnte. Sie begannen 1966, diese Idee wirklich zu verkaufen."

Aber auch bei Künstler*innen haben die Schulmodelle Anklang gefunden. Norah Jones schwört auf ihr 206. Und lange nachdem Peter Holsapples 140 auf der Strecke blieb, übernahm er ein Schul-Wurly und passte es an ein neues Rockerleben an. Der Moment war gekommen, als er Hootie & The Blowfish in Charlotte, NC, zum ersten Mal traf. "Als ich da war, sagte jemand: 'Oh, weißt du, jemand wird einen Haufen dieser Wurlitzer Schulmodelle los.' Ich bekam eins, ließ den unteren Teil absägen und spielte das Ding einige Jahre."

End of the Line

"Mama Told Me Not to Come" von Three Dog Night. "Do It Again" von Steely Dan. "On Top of the World" von The Carpenters. "You're My Best Friend" von Queen. "Breakdown" von Tom Petty & The Heartbreakers. "The Logical Song" von Supertramp. In den 70er Jahren fehlte es nicht an zeitlosen Melodien mit einer ordentlichen Portion Wurlitzer. In den 80er Jahren begann das Blatt sich aber zu wenden.

Zunächst bekamen analoge Synthesizer die ganze Aufmerksamkeit, auch wenn gelegentlich ein Wurly-Hit wie Foreigners 1981er Single "Waiting for a Girl Like You" auftauchte. Doch als die analoge Elektronik durch den nächsten Evolutionssprung abgelöst wurde, läutete die digitale Glocke für alle elektrischen Klaviere. Der digitale Yamaha DX7-Synthesizer kam 1983 auf den Markt, und seine Wirkung auf den E-Piano-Markt war so ähnlich wie die Wirkung des Sonnenlichts auf Vampire.

Breakdown

"Wenn man in der High School war, kaufte man sich einen DX7 oder etwas Ähnliches", sagt Espinola, "auch wenn es nicht den gleichen Dynamikbereich hatte. Sie waren viel billiger und man bekam mehr Sounds." Unter all den exotischen neuen Synthesizerklängen befand sich auch ein Patch namens E Piano 1, eine digitale Annäherung an ein E-Piano, die fast über Nacht zum Industriestandard zu werden schien. Man schätzt, dass der Patch in den ersten drei Jahren auf 40 Prozent der US-Nummer-eins-Pop-Hits verwendet wurde, noch mehr im R&B.

"Zwischen Casio und dem DX7 kamen Dinge auf den Markt, die das konnten, was den Leuten damals wirklich wichtig war", sagt Espinola. "Und das war es, was die Show antrieb, nicht die Geeks, die einen Retro-Fetisch haben." Als der DX7 seinen ersten Geburtstag feierte, gehörte das Wurly bereits der Vergangenheit an.

Reedy Revival

In der Popkultur verläuft alles zyklisch, so also auch das Wurlitzer. Nachdem die Welt die sterilen Klänge der digitalen Synthese hinter sich gelassen hatte, gab es einen Hunger nach dem Rohen, dem Echten, dem Schmutzigen—alles Adjektive, die sich leicht auf eine bestimmte, nicht mehr existierende Marke von E-Pianos anwenden lassen. "In den 90er Jahren gab es ein kleines Wiederaufleben des Interesses an ihnen", erinnert sich Espinola. "Beck hatte einen großen Hit mit 'Where It's At', und dann hatte Sheryl Crow 'All I Wanna Do', mit einem ziemlich auffälligen Wurlitzer."

In den 2000er Jahren machten Künstler*innen wie Jamie Cullum, Amy Winehouse und Norah Jones das Wurly noch populärer. Aber das Phänomen erreichte nie den Punkt, an dem ein Neustart erforderlich gewesen wäre. "Die Herstellung von Wurlitzern erforderte intensive Fließbandarbeit", sagt Espinola. "Ich weiß nicht, ob wir heute noch die wirtschaftlichen Voraussetzungen haben, um den Herstellungsprozess zu unterstützen. 10.000 Stück pro Jahr wurden in manchen Jahren hergestellt. Sie mussten viele Leute einstellen, um das zu tun, und sie mussten genug davon herstellen, um das rentabel zu machen."

Beck - Where It's At (Official Music Video)

Stattdessen mussten diejenigen, die den elektrisierenden Klang von Hämmern auf Zinken haben wollten, auf die Suche gehen—auf Flohmärkten, in Vintage-Läden, in Pfandhäusern, überall dort, wo ein Stück jahrzehntealte Technologie auftauchen könnte. Da die Bestände immer kleiner und die Nachfrage immer größer wurde, muss man kein Wirtschaftsgenie sein, um die Auswirkungen auf den Preis der alten Wurlys zu erahnen. "Die Preise schießen in die Höhe", bestätigt Espinola. "Ich stehe kurz davor, eins für fast 6.000 Dollar zu verkaufen. Wenn man bedenkt, dass es mir gehört und ich an ihm gearbeitet habe, kann ich das vielleicht erzielen, denn es ist in gutem Zustand. Wir befinden uns in einer Zeit, in der alle eins haben wollen, und im letzten Jahr ist es viel schwieriger geworden, sie zu bekommen.

"Ich glaube, es gab etwa 150.000 Stück. Die meisten davon waren Schulmodelle und die wurden oft weggeschmissen. Aber hier in New York kann ich sie in Vollzeit reparieren, das sagt doch einiges aus. Es gibt eine Menge davon. Die Wurlitzer, die am meisten in Serie produziert wurden, wurden von 1968 bis 1983 hergestellt. Ab etwa 1972 wurden etwa 8000 bis 10000 Stück pro Jahr hergestellt, wobei die Produktion in den letzten Jahren abnahm. Die Mehrzahl der Instrumente stammt aus dieser Zeit."

Wir leben in einer Zeit, in der Keyboarder*innen sehnsüchtig auf die Geräte zurückblicken, die es nicht mehr gibt. "Ich habe es immer genossen, eines zu haben", sagt Holsapple mit einem Hauch von Bedauern. "Ich hätte gerne wieder eins, aber sie sind jetzt so teuer." Doch neben dem Kaufpreis müssen gewiefte Wurly-Jäger*innen wahrscheinlich auch die Restaurierung und Instandhaltung in ihr Budget einplanen, wenn sie ein Jahrzehnte altes mechanisches Gerät übernehmen.

Bringing It Back

"Oft wurde das Instrument noch nie zur Wartung gebracht", sagt Espinola über die Wurlitzer, die neue Besitzer*innen zu ihm bringen. "Diese Instrumente sind eine Art Wunder der fehlgeschlagenen geplanten Obsoleszenz. Niemand hat daran gedacht, dass es diese Dinger 50 Jahre lang geben würde. Es ist ein bisschen so, als hätte man einen 50 Jahre alten Porsche. Man würde nicht einmal daran denken, diesen Porsche auf die Straße zu lassen, man würde ihn in eine Werkstatt bringen, bevor man versucht, ihn auf den Highway loszulassen. Wenn es einfach nur rumstand und die Schwerkraft und die Feuchtigkeit auf es eingewirkt haben, muss es neu kalibriert und geschmiert werden und so weiter. Dann müssen sie normalerweise neu gestimmt werden, selbst wenn die Stimmzungen nicht kaputt sind."

Fully restored Wurlitzer 200
Vollständig restauriertes Wurlitzer 200. Foto von rx.

Und was ist, wenn man Ersatzzungen oder etwas anderes brauchst? Seit beruhigt, ihr seid nicht dazu verdammt, das Internet auf der Suche nach alten Teilen zu durchforsten. "Es gibt ein paar Firmen, die Ersatzteile herstellen", sagt Espinola. "Die beiden größten sind Warneck Research und Vintage Vibe. Der New-Old-Stock-Bestand an diesen Teilen ist aufgebraucht, also sind wir auf Leute angewiesen, die neue Teile herstellen. Es gab auch schon andere, die gute Sachen gemacht haben: Ken Rich, RetroLinear in Pennsylvania, und eine Firma namens Custom Vintage Keys in Kalifornien, die Beine herstellt."

Insgesamt ist es am besten, mit offenen Augen in den Kauf eines Wurlys zu gehen. "Es ist eine gute Idee, sich über das jeweilige Instrument zu informieren, bevor man es kauft", rät Espinola. "Sie sind temperamentvoll, und was an ihnen temperamentvoll ist, gehört zu dem, was an ihnen reizvoll ist; sie sind echt, organisch. Aber man muss auch damit rechnen, dass man in ihre Pflege investieren muss. Wenn jemand erwägt, sein erstes Wurlitzer zu kaufen, würde ich von Instrumenten abraten, die vor 1964 hergestellt wurden. Die Leute zahlen manchmal viel Geld für ein Instrument aus den 1950er Jahren, ohne eine Ahnung davon zu haben, was nötig ist, um es spielbar zu machen."

Vintage vs. virtuell

Heutzutage entscheiden sich diejenigen, die sich die Kosten und Unannehmlichkeiten ersparen wollen, die mit dem Besitz eines echten Wurly verbunden sind, für virtuelle Reproduktionen des Klangs, die mit der heutigen Technik viel überzeugender sind als zu Zeiten des DX7. Zwar hat Holsapple auf Platten von The dB's, The Continental Drifters und Hootie & The Blowfish-Leadgitarrist Mark Bryan noch ein echtes Wurly gespielt, aber er geht mittlerweile den modernen Weg, wie auf seinem letzten Soloalbum Game Day.

"Heutzutage habe ich ein kleines altes Nord", sagt Holsapple, "und das hat eine komplett brauchbare Wurly-Sektion und ist viel leichter. Das benutze ich schon seit 15, 17 Jahren—seit die ersten Nords auf den Markt kamen. Es ist einfach genug, um einen anständigen Tremolo-Effekt und alles andere, was man damit machen will, einzustellen, und das war sehr praktisch. Aber wenn ich den Platz und die finanziellen Mittel hätte, würde ich mir noch ein Wurly besorgen, bei mir behalten und lernen, wie man die Technik des Lötens und Feilens zum Stimmen perfektioniert."

Wurlitzer 200
Wurlitzer 200. Foto von Marvin's Shop.

Wie schneiden die heutigen digitalen Emulationen im Vergleich zum echten Instrument ab? "Das Nord gibt dir digitale Verzerrungen", sagt Holsapple, "das ist etwas anderes als etwas aufzureißen, das nicht digital ist. Es gibt eine Menge guter Seiten am Nord. Das beste Adjektiv ist "tragbar" und die Tatsache, dass man sich keinen Leistenbruch holt, wenn man das Ding herumschleppt. Ich konnte einige B-3-Overdubs machen, bei denen man im Mix sitzt kaum merkt, dass es keine echte Hammond ist. Das Gleiche gilt für die Wurly-Sachen. Aber es wehrt sich nicht, es hat nicht das Spielgefühl eines Wurlitzers, die Hämmer zu spielen bei einem Wurly immer schön."

"Der Nord-Emulator ist zu perfekt", echauffiert sich Espinola. "Jedes Wurlitzer, jede Stimmzunge klingt anders als das daneben. Mit jedem Grad, den man es härter oder leichter anschlägt, erhält man einen anderen Charakter. Jedes Mal, wenn man eine Note auf ihnen spielt, gibt es unendlich viele Klangvariationen, und man kann sie nicht absolut perfekt in Stimmung bringen. Und diese Unvollkommenheit ist ein großes Plus. Wir sehnen uns nach Dingen, die etwas organischer sind, die nicht ganz so perfekt sind.

"Man hört einen Hammer, der auf ein Stück Metall schlägt, das vibriert und die anderen Töne in diesem Ding zum Mitschwingen bringt. Eine synthetische Emulation wird all das niemals adäquat wiedergeben können. Die Noten spielen also nicht nur sich selbst, sie spielen das Instrument und sie spielen sich gegenseitig. Es wäre töricht, zu versuchen, etwas zu programmieren, das all das kann."

Die Geheimzutat

Es ist diese düstere, organische Qualität, die den Wurlys einen klanglichen Fingerabdruck verleiht, der niemals vollständig kopiert werden kann. Wenn Ian McLagan in "Stay With Me" von The Faces auf seine Tasten eindrischt oder John Deacon das Intro von "You're My Best Friend" von Queen anstimmt, zapfen sie etwas an, das nicht nur im Instrument, sondern auch in unseren eigenen Knochen, Muskeln und Nerven vibriert.

"Ich hatte Nachbarn in meiner alten Wohnung, die sich beschwert haben, wenn ich nachts zu lange mit ausgeschaltetem Ton gespielt habe", sagt Espinola. "Denn die Vibrationen gingen durch die Beine auf den Boden über, und der Boden wirkte wie ein Resonanzkörper, und sie hörten es lauter als ich."

Stay with Me (2004 Remaster)

Es ist etwas, das man nicht nur hört, sondern auch fühlt, sowohl im physischen Sinne als auch in der Art und Weise, wie es das Herz berührt. "Sie haben einfach einen besonderen Touch", sagt Holsapple, "und sie haben diese nette Verzerrung, die man von den internen Lautsprechern bekommen kann, oder man dreht sie einfach über den Point of no Return hinaus auf, und es bekommt diesen Biss, ich liebe das. Wenn ich an einem Wurly sitze, spiele ich als erstes 'Stay With Me'. It's just what I do."

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