Wir schreiben das Jahr 1987, New York City, Kirk Hammett besucht zusammen mit seinem Kumpel Scott Ian ESP Guitars. Auf dem Master Of Puppets-Album aus dem Vorjahr definierte Kirks Band Metallica ihren Sound und war seitdem unermüdlich auf Tour, manchmal auch mit Scotts Band Anthrax im Schlepptau.
Nach Cliff Burtons tragischem Tod bei einem Tourbus-Unfall in Schweden hatte Jason Newsted Cliffs Platz am Bass von Metallica eingenommen und im November '86 seine ersten Auftritte mit der Band gespielt.
"Wir spielten ein paar Shows, um Jason einzuarbeiten", erzählt mir Kirk. "Inzwischen hatte ich bemerkt, dass Scott diese wirklich coole Gitarre hatte, auf deren Vorderseite eine Cartoon-Grafik gemalt war, von der er mir erzählte, dass er sie von einer japanischen Firma namens ESP bekam, die ein Büro in New York hatte. Und er meinte sofort: 'Und sie werden dir auch eine Gitarre geben!'"
Zu diesem Zeitpunkt, erinnert sich Kirk mit einem Lächeln, rissen sich die Firmen nicht gerade darum, ihn als Endorser zu verpflichten. "Unsere Band war immer noch das uneheliche Stiefkind der Musikindustrie, der Medienwelt und der gesamten Kultur. Also sagte ich zu Scott: 'Ja, Mann, ich bin sowas von dabei — bisher hat mir niemand wirklich eine Gitarre geschenkt'.
Und da waren sie dann also, Kirk und Scott, frisch in den Räumen des Obergeschosses angekommen, die als amerikanisches Hauptquartier von ESP dienten, und verdammt aufgeregt.
George Lynch & die Anfänge von ESP

ESP (Electric Sound Products) begann 1975 als kleiner Custom-Shop im hinteren Teil eines Musikgeschäfts in Tokio, das von Hisatake Shibuya gegründet wurde. Er erweiterte das Geschäft nach und nach auf die Bereiche Fertigung, Einzelhandel und Musikausbildung. Zunächst waren die ESP Gitarren unter dem Markennamen Navigator Kopien der üblichen US-Klassiker, neben einem großen und beeindruckenden Angebot an Einzelteilen — Körper, Hälse, Hardware und so weiter.
Als Hisatake Anfang der 80er Jahre einen seiner Mitarbeiter schickte, um das erste Auslandsbüro von ESP in New York zu eröffnen, wurde allmählich klar, dass auch originellere Auffassung der traditionellen Modelle Potential hatten — insbesondere als Schlüsselfiguren wie Kirk, Scott und andere begannen, ihren eigenen besonderen Geschmack für moderne Hochleistungsgitarren einzubringen.
Matt Masciandaro war zu dieser Zeit Tourmanager und Gitarrentechniker und arbeitete mit Bands wie Aerosmith und Motörhead. Im Jahr 1985 wurde er von Dokken als Tech für George Lynch eingestellt. Matt erinnert sich, dass George in einem Laden einen ESP-Hals fand, der ihm gefiel, und Kramer fragte, ob sie ihn nachbauen könnten.
"Der Gitarrenbauer bei Kramer sagte: 'Nun, du gehst doch auf Tournee in Japan, oder - warum gehst du nicht einfach zur ESP und holst dir einen Hals?' Ein bisschen dumm", sagt Matt mit einem Lachen, "weißt du? Aber natürlich gingen George und ich zu ESP in Japan, in eins der Einzelhandelsgeschäfte, und sie meinten: 'Du bist George Lynch! Wir würden uns freuen, dir eine Gitarre zu bauen!'"
George erinnert sich, dass einige von ESPs Mitarbeitern bei dem Treffen in Tokio gegen Ende 1985 anwesend waren. Er hatte einen kurzzeitigen Endorsement-Deal mit Aria und Kramer hatte ebenfalls darüber gesprochen, ihn unter Vertrag zu nehmen. Aber hier bot sich eine echte Gelegenheit. "ESP hatten ihre Techniker da – in Laborkitteln, Stiftschutz in der Tasche, Mikrometer – die sich Notizen machten", erzählt George. "Wir saßen den ganzen Nachmittag herum und überlegten hin und her an dem, was später meine ESP Kamikaze Gitarre werden sollte."
Er sagte ihnen genau, was er wollte. "Damals war größer besser, schwerer war besser, mehr war mehr. Also sagte ich, es müsse ein High-Gain-Tonabnehmer sein, ein schweres Stück Holz, sehr dick, ein Minimum an Routing. Und ich wollte Grafiken: einen Kamikaze-Piloten, ein paar Bomben, ein paar Kanji-Zeichen. Ich schätze, weil ich zum ersten Mal in meinem Leben in Japan war ein Kamikazepilot das erste, was mir in den Sinn kam. Im Nachhinein ist das wahrscheinlich ein wenig politisch inkorrekt. Aber wie auch immer, als Ausgangspunkt benutzten wir meine Tiger-Gitarre, eine Parts-Gitarre, die ich zusammengesetzt hatte."
George hatte vor Dokken und in den frühen Tagen der Band eine Reihe von Parts-Gitarren gebaut, wobei er Hälse, Korpusse und Kleinteile von Charvel, Mighty Mite, Sandoval und anderen verwendete. Nicht nur für sich selbst, sondern auch für die Schüler, die er unterrichtete. "Alles war so ziemlich Strat-basiert, Superstrat, im Allgemeinen ein Humbucker, manchmal aber auch mehr, und Grafiken, die ich und mein Freund Irv Veech in seiner Garage ausdachten und malten."

Die ersten ESP-Kamikaze-Gitarren ahmten das Gewicht und das Holz des Tiger-Korpus und bis zu einem gewissen Grad auch ihr Halsprofil nach, zusammen mit einer umgekehrten Hockeyschläger-Kopfplatte, einem oberflächenmontierten Floyd Rose Vibrato-System, einem speziell angefertigten Duncan Distortion Humbucker am Steg und einem ESP Single-Coil am Hals. Diese frühen Modelle waren laut George in der Tat sehr schwer.
"Heutzutage denken wir an leichte Gitarren als das Maß der Dinge, und das stimmt in vielerlei Hinsicht auch, aber manchmal hat eine schwere Gitarre irgendwie etwas wirklich, wirklich cooles. Sie ist fokussiert. Man verliert etwas von den großen blühenden Bässen und so weiter, aber man gewinnt auch etwas dazu — wenn es funktioniert. Diese frühen Kamis hatten das."
Die maßgefertigte Kami-Gitarre kam einige Monate später, 1986, aus Japan in das ESP-Büro in New York. George war von dem Ergebnis begeistert und seine Kami wurde zum Vorbild für die ersten Signature-Gitarren von ESP für einen amerikanischen Musiker. "Ich hatte versucht, etwas zu finden, das mehr auf meine spezifischen Bedürfnisse zugeschnitten war", erklärt George. "Ich liebe es zum Beispiel, diesen flüssigen Single-Coil-Legato-Sound am Hals zu haben, und wenn ich ihn etwas zurücknehme, kann ich einen kristallenen Strat-Sound bekommen — ich weiß, dass er durch die Position am Hals ist nicht ganz so hell ist, aber trotzdem schon nah dran."
Er verwendete auch einfache Bedienelemente. "Ich hatte ein Push-Pull-Lautstärkepoti — jetzt benutze ich Push-Push, aber damals Push-Pull — und keinen Toneregler, um ein möglichst direktes Signal zu erhalten. Wenn ich mehr als einen Knopf sehe bin ich einfach verwirrt und höre auf zu spielen", lacht er. "Auch die breitflächigen Halsabmessungen waren damals nicht so üblich wie heute. Außerdem hatte ich die personalisierten Grafiken. Nichts davon betrat Neuland, aber wenn man das alles zusammenfügt, denke ich, dass es wirklich der Vorgänger vieler Gitarren war, die später versuchten, diesen Raum zu füllen."
Das New Yorker ESP-Büro in der Aufbauphase
Nachdem er mit ESP am Kamikaze-Projekt für George gearbeitet hatte, wurde Matt Masciandaro vom Vizepräsidenten des Unternehmens gesagt, dass er jederzeit einen Job bei der ESP haben könne. Passenderweise wurde Matt eh des ständigen Tourlebens müde, also nahm er 1987 das Angebot an im New Yorker ESP Büro in der 151 West 19 Street zu arbeiten. Es war eine fabelhafte Zeit, um in der Stadt mitten im Geschehen zu sein.
"Die New Yorker Recording-Szene war wahrscheinlich auf ihrem Höhepunkt", erinnert sich Matt. "Es gab Hit Factory, Record Plant, Power Station, RCA, CBS. Viele der großen Platten dieser Zeit wurden in der Stadt aufgenommen, und viele Künstler waren dort ansässig. Es war ein Testfeld für ESP-Produkte, denn wir entwickelten Beziehungen zu diesen Künstlern, sie gaben uns Feedback zu dem, was wir machten, und baten uns, etwas Besonderes für sie zu bauen."
Vernon Reid von Living Colour ist ein Beispiel aus diesen frühen Tagen.
"Wir haben mit Vernon gearbeitet, als die Band im CBGBs spielte, kurz davor war einen Vertrag zu bekommen und mit den Stones auf Tournee zu gehen", fährt Matt fort. "Vernon konnte einfach die Bahn zur 19th Street nehmen, zu ESP kommen und uns erzählen, welche Art von Gitarre er wollte. Ron Wood war auch früh dabei. Er wollte eine Tele mit einem Saiten-Bender, die ESP ihm dann auch bauen konnte, und er spielt immer noch beide, die er damals bekommen hat. Es gab in der Stadt so gut wie keine andere Gitarrenfirma, abgesehen vielleicht von den Musikgeschäften, die Boutique-Herstellung oder Reparaturen anboten. Wir waren die einzige nationale Gitarrenfirma, die in der Stadt ansässig war."
Als Matt '87 an Bord kam, war ESP dabei, den Schwerpunkt zu ändern.
"Wir gingen von den ursprünglichen Vintage-Gitarren-Reproduktionen zu einer eigenen Identität über, indem wir maßgeschneiderte farbige Neck-Through-Gitarren mit Locking-Tremolos herstellten", sagt er. "Wir waren gerade im Begriff, die Gitarrenfirma zu werden, zu der die Leute gehen würden, wenn sie etwas wollen, das über das Traditionelle hinausgeht. Ich glaube, das war unser Vorteil, denn die Leute kamen zu uns und bekamen etwas, das — aus heutiger Sicht vielleicht etwas klischeehaft — nicht die Gitarre war, die ihr Vater spielte."
Die Begeisterung für ESP schien zu wachsen. "Die Künstler begannen zu merken, dass, wenn sie eine Vision oder ein Konzept oder einfach einen Traum einer Gitarre hatten, die nicht eine Les Paul oder Strat war — wenn sie eine Grafik darauf haben wollten, ein Floyd Rose, ein Custom-Inlay — dass ESP der richtige Ort dafür war", erinnert sich Matt an diese Szene an der Ostküste — und ähnlich bei Charvel auf der anderen Seite des Landes. "Einer nach dem anderen machte es die Runde, ob es nun Scott Ian in Anthrax war, der es seinem Freund Kirk Hammett in Metallica sagte, oder wer auch immer. Es hieß, dass ESP euch baut, was ihr wollt. Sie werden euch nicht vorschreiben, womit ihr auskommen müsst."
Kirk Hammetts erste Custom ESPs

Es war wahrscheinlich um April '87, als Kirk und Scott zu ihrem Termin bei ESP in New York auftauchten. Zu dieser Zeit hatte die Firma etwa sechs Mitarbeiter in ihrem US-Büro, und Kirk stand unter ihnen, begeistert von der Möglichkeit einer guten (und kostenlosen) Gitarre. Als Scott Kirk seine ESP gezeigt hatte, hatte Kirk keine Zweifel, dass es eine gute Gitarre war.
"Sie schien einen guten Korpus zu haben, einen schönen Hals, die Elektronik schien in Ordnung und die Gitarre durchaus solide zu sein", erinnert sich Kirk. "Bei der Besprechung fragte ich also: Könnt ihr mir eine Neck-Through-Gitarre im Strat-Stil mit EMG-Pickups bauen? Zu diesem Zeitpunkt steckte ich EMG-Pickups in alle meine Gitarren." (Seine Hauptgitarren waren eine 70er Jahre Gibson Flying V, eine Jackson Randy Rhoads und eine Fernandes Strat-Kopie).
"Ich sagte, also, wisst ihr, es gibt noch ein paar andere spezifische Dinge, die ich will", fährt er fort. "Ich mochte schon immer das Aussehen der auf dem Kopf stehenden Strat-Kopfplatten, dieses Jimi Hendrix-Ding. Also sagte ich zu ihnen, bitte baut mir eine umgekehrte Kopfplatte. Ich wollte auch, dass der Übergang des Halses ein wenig abgeschrägt wird. Und wenn es geht, würde ich es wirklich begrüßen, wenn ihr eine Art Totenkopf-Grafik als Bundmarkierung in das Griffbrett einbauen könntet. Ich wollte auch 24 Bünde, doppelte Oktave, wie auch immer man das nennt. Außerdem ein Floyd drauf, zwei mal Lautstärke und einen Master Toneregler, wie bei einer Strat. Für den Musikstil, den ich damals spielte, war ein Toneregler völlig ausreichend, aber ich brauchte definitiv zwei Lautstärkeregler".
Kirk atmete durch, schaute zu den ESP-Leuten hoch und schloss seine Wunschliste ab.
"Zuletzt gab es noch etwas, das ich wirklich machen wollte, aber ich wusste nicht, ob sie das zulassen würden. Ich sagte, dass ich alle ihre Hälse durchgehen wollte, die Hälse, die nicht auf einem Gitarrenkorpus montiert sind, und einfach einen heraussuchen wollte, der sich für mich richtig anfühlt. Also verbrachte ich etwa eine gute halbe Stunde damit, alle Hälse, die sie vorrätig hatten, durchzugehen, sie mit meiner linken Hand zu ertasten, den Radius und das Griffbrett und die Bünde zu fühlen. Ich fand einen, der sich gut anfühlte, und fragte, ob Sie diesen Hals durch den Korpus bauen können. Für mich klangen Hals-durch-Korpus-Gitarren etwas voller, etwas schwerer als verschraubte Hälse und aufgeleimte Hälse".

Kirk schaute zu Scott hinüber, fragte sich, ob er zu viel verlangt hatte, und drehte sich dann wieder um, um die Antwort zu hören: "Sie sagten einfach: 'Ja, das können wir alles machen.' Ich konnte es nicht glauben! Sie waren so entgegenkommend, und ich konnte nicht glauben, dass sie all diese Dinge tatsächlich für mich tun würden. Das ist also so ziemlich das, was ich am Ende bekommen habe."
Ein paar Monate später ließ Kirk seine erste ESP vom Tokio Custom-Shop an das New Yorker Büro liefern, genau so, wie er es sich gewünscht hatte. Er spielte sie schon, als Metallica im August '87 nach Großbritannien reiste, um im 100 Club und dann auf den Monsters Of Rock-Festivals in Donington und in Deutschland aufzutreten.
Kirk erinnert sich, dass er seine neue ESP im Studio für die "...And Justice For All"-Sessions Anfang '88 eingesetzt hat. Es ist die Gitarre, die später unter dem Namen Zorlac bekannt wurde, dank eines beschädigten Piratenaufklebers (entworfen von Brian "Pushead" Schroeder für Zorlac Skateboards), den Kirk später auf dem Korpus anbringen ließ, und es ist die Gitarre, die die Grundlage für Kirks erstes ESP-Signaturemodell, die KH-2, bildete.
"Ich erinnere mich, dass ich sie mit ins Studio nahm und mit ihr und meiner Gibson Flying V, die ich schon immer und ewig hatte, eine Reihe von Tracks aufnahm", sagt Kirk. "Ich habe mich einfach sofort in meine ESP verliebt. Der Hals fühlte sich erstaunlich an, wirklich gleichmäßig, vom ersten Bund bis zum 24. Ich liebte die Bünde, groß und hoch. Und dann erinnere ich mich, dass ich sagte: "Hey, kann ich noch eine auf Tour mitnehmen? Die Idee war, eine auf Tour mitzunehmen und eine zu Hause zu lassen, aber am Ende nahm ich beide mit auf Tour, weil sie einfach so toll klangen."
Diese zweite Gitarre wurde unter dem Namen "Caution" bekannt, dank eines weiteren Aufklebers, den Kirk später hinzufügte, ein orangefarbener in der Nähe der Regler mit der Aufschrift "Caution Hot", zusammen mit einem Stück Klebeband über dem Hals-Pickup, das die Gitarre als Kirks Eigentum identifiziert.
"Diese beiden Gitarren sind einfach hinreißend!", sagt er über Zorlac und Caution, die er zusammen seine Skully-Gitarren nennt. "Wirklich stark gemacht, wirklich gut. Ich gehe hart mit meinen Instrumenten um, es ist die Art, wie ich spiele, eine ziemlich heftige Technik mit der rechten Hand. Und auch die Art, wie ich sie aufbewahre. Ich bin faul: Ich stecke eine Gitarre nie zurück in einen Koffer. Wenn sie einmal aus dem Koffer ist, ist sie monatelang draußen, so dass ich sie einfach greifen und spielen kann. Jedenfalls ist die Zorlac diejenige, auf der ich einen Haufen Riffs geschrieben habe. Ich habe einige der Sachen geschrieben, die in 'The Unforgiven' gelandet sind, das Haupt-Riff aus 'Enter Sandman' wurde auf dieser Gitarre geschrieben, sowie Teile von 'Of Wolf And Man'. In dieser Hinsicht ist die Gitarre also ziemlich wichtig für mich."
Matt Masciandaro sagt, dass fast jede Gitarre, die ESP seither für Kirk hergestellt hat — und das sind einige — weitgehend auf dem Zorlac-Original basiert. Zum Zeitpunkt dieses Artikels war diese erste Gitarre gerade über das derzeitige ESP US-Hauptquartier in Los Angeles zu Kirk zurückgekommen. (1989 zog ESP an den endgültigen Standort in New York, in der 48th Street, und Matt wurde mit der Leitung der US-Geschäfte beauftragt. Heute ist er Vorsitzender und CEO des Unternehmens. 1993 zog es von New York nach LA um).
"Kirks Zorlac-Gitarre war in der Rock and Roll Hall of Fame in Cleveland ausgestellt", berichtet Matt, "und Kirk bat uns, ihm eine Reproduktion davon anzufertigen, da er diese nicht mehr mit auf Reisen nimmt. Sie hat die Abnutzung, die Aufkleber, all die Dinge, die man in über 30 Jahren auf Tour sammelt".
Hammetts Cinematic Signature ESPs
Als ESP erkannte, dass man in Kirk einen begeisterten Anhänger hatte, wurden ihm ihm weitere Instrumente gebaut. Es gab einige Flying Vs mit EMG-Tonabnehmern und Deviled Ham-Griffbretteinlagen und eine Gitarre mit einem Les Paul Junior-ähnlichen Korpus und einer Pushead "Spider-and-Web"-Grafik. "Sie gaben mir auch eine unlackierte Strat", sagt er, "und ich ließ meinen Freund einen Haufen Zeug hineinbrennen, aber ich glaube, ich habe die gegen ein Horrorfilmposter oder so eingetauscht."

Auffällig war eine Reihe Gitarren mit farbenfrohen Filmplakat-Grafiken. Der Trend begann Anfang der 90er Jahre mit einer KH-2, die mit Elementen aus Plakaten für den Boris-Karloff-Film Die Mumie von 1932 dekoriert war. Als die Gitarre mit dem großen Boris zwischen den Tonabnehmern ankam, war Kirk in Ehrfurcht erstarrt. "Ich öffnete den Koffer, ich dachte, oh mein Gott, es ist so gut wie das Filmplakat — vielleicht sogar noch besser. Von da an hielt ich die Gitarre für ein verdammtes Kunstwerk! Damit begann die ganze Filmplakat-Sache, bei der ich Grafiken auf die Gitarren packte."
Es gab Gitarren deren Korpusse Ouija-Board-Grafiken hatten, wie die Bretter, mit denen versucht wurde, Nachrichten von Toten zu empfangen. "Ich dachte, es wäre verdammt toll, das auf eine Gitarre zu kleben", sagt Kirk. "Ich habe eine, die im Dunkeln leuchtet, das ist einfach phänomenale." Bekommt er jemals Nachrichten? Er lacht und sagt: "Also manchmal gehen meine Hände auf magische Weise zum 'Ja' oder 'Nein', wenn ich an einer musikalischen Idee arbeite."
Kirk gibt an, dass ESP ihm eine Gitarre mit einem funktionierenden Theremin gebaut hat, eine mit eingebautem Randomizer-Effekt, eine andere mit einem Roland-Gitarren-Synth-Tonabnehmer. Es gab Wavecaster-Gitarren mit durchsichtigen Plastikkorpus im Tele-Stil von George Fedden, die blaues Öl und Wasser enthielten, das sich mit den Bewegungen des Instrumentes floss. "Ich habe eine auf Tournee gespielt, eigentlich eine großartig klingende Gitarre, aber als sie ins Lager kam, passierte etwas", sagt Kirk, "und sie begann durch eine der Nähte zu lecken. Sie war so eingerostet, dass sie nicht mehr spielbar war. Ich habe zwar noch mehr Ideen für andere ESP-Gitarren, aber heutzutage muss ich, wie Matt sagen würde, darauf achten, dass ich den Custom-Shop nicht überfordere.
Der anhaltende Reiz von ESP
Diese lange Beziehung zwischen Kirk und ESP ist in der Gitarrenbranche ungewöhnlich, obwohl George Lynch, wie wir gesehen haben, sogar noch länger mit dem Unternehmen verbunden ist. Nach seiner ursprünglichen Kamikaze-Gitarre ließ George ESP einige weitere Instrumente mit beeindruckenden Grafiken herstellen, darunter eine, die er Skulls & Snakes nannte, und auch einige Variationen seiner gestreiften Tiger-Gitarre. Sowohl Kirk als auch George haben mehrere Modelle, die heute noch in der ESP-Linie zu finden sind.
Auf die frühen Tage bei ESP zurückblickend, meint George, dass es eine Art Bewegung war. "Vielleicht ist das nur verklärte Rückschau, aber es scheint, dass es eine ganze Reihe von Leuten gab, die in eine ähnliche Richtung dachten und diese Art von Gitarre wollten. Ein schnellerer Hals und all das, aber eine wirklich hohe Qualität, das war die andere Sache. Ich glaube, einige der Gitarren in dieser 80er-Jahre-Ära haben das Ziel verfehlt, denn obwohl sie die heißen Tonabnehmer, das Locking-Tremolo-System, wirklich schnelle Hälse und so weiter hatten, verfügten sie nicht über die dreidimensionale Tiefe und Qualität, die wir an Gitarren aus früheren Epochen und Generationen liebten. Ich denke, die Kamikaze und andere High-End-ESPs hatten das — ihre eigene, einzigartige Klangqualität."
Wie man sich wahrscheinlich vorstellen kann, hat George über die Jahre eine beträchtliche Menge an Instrumenten angesammelt.
"Es ist verrückt — all diese verschiedenen Komponenten kommen zusammen und die Gitarre klingt so, wie sie klingen soll." - Kirk Hammett
"Ich habe 12-saitige und Bariton- und Tenor-Gitarren — ihr wisst schon: was immer ich für verschiedene Klänge und Schichten und so weiter brauche", sagt er. "Aber mein Kern war schon immer ESP, das ist mein Signature-Sound und meine Gitarrenbeziehung. Sie waren schon immer eine Familie für mich, und kürzlich erlaubten sie mir sogar, mein eigenes Mr. Scary Guitars-Projekt zu machen. ESP war also schon immer für mich da — was auch immer das ist, wenn wir bis '85 zurückrechnen. Nicht viele Dinge halten so lange in unserem Leben! Ehen, Bands, nicht allzu viele Dinge halten 35 Jahre, und es werden immer mehr. Es ist eine sehr gesunde, produktive Beziehung, eine große symbiotische Beziehung".
Auch Kirk schätzt diese Konstante durch eine lange Karriere voller unvermeidlicher Höhen und Tiefen.
"Ich liebe es, dass ESPs super beständig sind", sagt er. "Oft hole ich eine neue aus dem Koffer holen, und ich muss mindestens zwei oder drei Shows damit spielen, darauf hauen, darauf spucken, weißt du? Und dann passiert etwas Magisches, und sie findet nach alldem irgendwie ihre Stimme. Ich schätze, all diese verschiedenen Teile müssen sich setzen oder so, in Ermangelung eines besseren Wortes. Aber es ist verrückt — all die verschiedenen Komponenten kommen zusammen und die Gitarre klingt so, wie sie klingen soll. Manchmal muss man bei einer neuen Gitarre warten, manchmal kann es ein Jahr dauern, aber wenn ich diese Gitarre bekomme, wenn sie endlich ankommt, bin ich so aufgeregt. Verstehst du? Ich bin so aufgeregt."
Über den Autor: Tony Bacon schreibt über Musikinstrumente, Musiker und Musik. Zu seinen Büchern gehören Flying V/Explorer/Firebird, Electric Guitars: Design & Invention und Sunburst. Tony Bacon lebt in Bristol, England. Weitere Informationen unter tonybacon.co.uk.