Gibson und Epiphone sind zwei der ältesten Gitarrenmarken überhaupt. Früher noch Konkurrenten sind sie seit der Übernahme durch Gibson vielmehr für zwei unterschiedliche Segmente bekannt. Auf der einen Seite Epihone, die günstige Gitarren in Fernost fertigen und Gibson, die ihre Klassiker nach wie vor in den USA herstellen. Runtergebrochen geht es also darum, ob es einen qualitativen Unterschied macht, eine Gibson-ähnliche Epiphone für relativ wenig Geld aus Asien zu kaufen oder ob es sich lohnt auf kostspieligere US-Gibsons zu sparen.
Allerdings darf man nicht vergessen, dass sowohl Gibson als auch Epiphone nachgesagt wird, dass die Qualität in den letzten beiden Jahrzehnten schwankte. Ebenso ist es schwer direkte Vergleiche zu ziehen, da die Spezifikationen der Instrumente sich meist geringfügig unterscheiden. In diesem Artikel soll es vielmehr darum gehen, was die Marken heute ausmacht. Wir schauen uns deshalb mit einem möglichst objektiven Auge die Kosten, die verwendeten Materialien und den Wert der Instrumente an.
Die Kosten einer Epiphone oder Gibson
Preise sind natürlich vollkommen unterschiedlich, je nach Modell und Ausstattung. Die günstigste Gibson, die M2, kostet circa 500 Euro, während die 1965 Elitist Casino von Epiphone für 2000 Euro über die Theke geht. Deshalb konzentrieren wir uns hier auf möglichst ähnliche Modelle, die ein potenzieller Käufer wahrscheinlich miteinander vergleichen würde.
Hier werden 2018er Modelle miteinander verglichen, die sich stark ähneln. Die Preise basieren auf umgerechneten Dollar-Preisen.
Model (Gibson/Epiphone) |
Gibson | Epiphone |
Les Paul Standard Traditional /Tribute Plus |
2 492 € | 643 € |
SG/G-400 Pro |
1 202 € | 300 € |
ES-335/Dot |
2 836 € | 394 € |
Les Paul Studio |
1 288 € | 308 € |
Flying V/Hinds Custom V |
1 323 € | 685 € |
Explorer/1984 Explorer EX |
1 323 € | 626 € |
ES-330/Casino |
2 824 € | 514 € |
Das ist eine ganze Stange Geld. Gitarren beider Hersteller sind zudem reichlich auf dem Gebrauchtmarkt zu finde. Allerdings sind die Preise gebrauchter Gibsons in der Regel stabiler, wobei so manche Epiphone Special Edition auch ganz schön wertstabil und teuer sein kann.
Unterm Strich: Epiphones sind günstiger. Aber es gibt ein kleines Preis-Segment, in dem beide Hersteller vertreten sind.
Auswahl
Jahrelang schien es so, dass Epihone sich neben den eigenen Hollow- und Semi-Hollows wie der Casino ausschließlich auf günstige Les Paul und SG Kopien konzentriert. In den letzten Jahren hat sich jedoch einiges getan. Es gibt frische, neue Modelle und eine Reihe von spannenden Signature-Gitarren von Epiphone.
So gibt es beispielsweise eine Neuauflage der Archtop Masterbilt-Serie, die noch aus der Zeit vor der Gibson-Übernahme stammt. Gibson ist bekannt dafür, häufig den Kurs zu wechseln und bringt eigentlich jeden Herbst eine komplett neue Produktpalette auf den Markt, ähnlich der Auto-Industrie. 2015 lief das gewaltig schief, als die gesammte Palette auf einmal Robot-Tuner an der Kopfplatte hatte, die nicht gut angenommen wurden. Im Zuge der kürzlich vermeldeten Insolvenz wird sich Gibson zukünftig ganz bestimmt wieder klassischeren Modellen zuwenden.
Unterm Strich: Es wird immer genug Les Pauls und andere Gibson-Klassiker auf dem Markt geben, aber zur Zeit baut Epiphone eine Reihe spannender Instrumente, die es so noch nie von Gibson gab.
Holz-Auswahl und Zusammenstellung
Die Holz-Auswahl ist maßgeblich entscheidend für ein gutes Instrument. Vor allem nach den neuesten CITES-Bestimmungen gibt es viele Sorten, die Einzug bei den großen Firmen halten. Auch bei Gibson wird nun Granadillo, Poplar oder Linde verwendet. Holzarten wie Ahorn sind ein gutes Beispiel, um zu zeigen wie die Hersteller vorgehen. Es gibt viele Unterarten, sodass Gibson andere Hölzer verwendet als Epiphone, die nach Ahornarten Ausschau halten, die näher an ihren Fabriken wachsen.
Von Mahagonie gibt es ebenfalls viele verschiedene Spezies. Gibson verwendet “echtes Mahagonie” während Epiphone häufig auf günstigeres Sapele oder Luan Holz setzt, die jedoch beide Teil der Mahagonie-Familie sind. Zudem hat das Unternehmen in der Vergangenheit häufiger Linde oder Erle verwendet, wo bei Gibson Mahagonie zum Einsatz kommt.
Bei der Decke verhält es sich ähnlich. Hier setzt Gibson auf die charakteristischen Ahorndecken bei den Les Pauls, die viel des Looks und des Klangcharakters ausmachen. Bei Epiphone wird hier meist nur ein dünnes Furnier verwendet. Wobei das auch bei Gibson der Fall ist, wenn die Decke besonders geflammt ist beispielsweise. Allerdings ist Gibson in jüngster Vergangenheit dazu übergegangen, die verwendeten Holzarten und deren Qualitätsgrade explizit in den Beschreibungstexten zu erwähnen.
Beim Body werden bei Gibson höchstens 3 Teile zusammengeleimt. Bei Epiphone können es schon mal deutlich mehr sein. Um das zu verstecken, wird oft ein Furnier bei der Rückseite angebracht.
Bei den Archtops verwendet Gibson eher 3-lagiges Holz, während Epiphone auf 5 dünnere Lagen setzt. Viele gehen davon aus, dass weniger Lagen für ein besseres Resonanzverhalten sorgen.
Unterm Strich: Gibson nutzt edleres Tonholz und weniger Holzteile pro Korpus. Bei Epiphone findest du günstigere Varianten der selben Holzfamilie, wobei häufig die Bodys aus mehr als 3 Teilen zusammengeleimt werden.
Hardware
Grundsätzlich steigt die Qualität der Hardware mit dem Preis. Viele Premium Gibsons haben heutzutage Sattel aus Titanium. Ein Großteil der Hardware für Custom Shops wird zudem in-House produziert. Des Weiteren wird gemutmaßt, dass Unternehmen wie Ping, Gotoh oder TonePros zu den Zulieferern gehören.
Viele Stege werden aus Alu gefertigt, wobei in den letzten Jahren die Legierung Zamak immer häufiger bei Gibson zum Einsatz kommt. Die Brücken von Epiphone sind ähnlich konstruiert, verwenden allerdings günstigere Metalle.
Gibson Lightning Bar Bridge, Nickel
Allerdings spart auch Gibson, beispielsweise bei den günstigen M2-Modellen und der S-Serie, denen eine schlechte Brücke nachgesagt wird. Viele Musiker bemängeln zudem die Qualität der gängigen “Lightning Bar”.
Bei den Satteln setzt Gibson ebenfalls höherwertiges Material ein als Epiphone. Selbiges gilt für die Stimmmechaniken, die oftmals nicht ganz mit der restlichen Qualität bei den Epiphones mithalten können.
Unterm Strich: Es gibt bei beiden Firmen erhebliche Unterschiede innerhalb der Produktpaletten, allerdings gibt es bei Gibson insgesamt die hochwertigere Hardware.
Pickups
Vor ein paar Jahren hätte es noch gereicht zu sagen, Gibson nutzt Gibson-Tonabnehmer und Epiphone nutzt Epiphone. Allerdings kommen nun in Premium-Epiphones wie der ES-175 US-Pickups zum Einsatz. In der günstigen Gibson M2 findet sich hingegen ein Epiphone Burstbucker. Verkehrte Welt. Für seine günstigen Modelle hat Gibson zudem eine Reihe neuer US-Pickups vorgestellt, wie den Super 57, die nicht ganz so viele Fans haben. Epiphone nutzt mittlerweile sogar EMGs in manchen Modellen. Viele der klassischen Gibson Tonabnehmer haben jedoch einen großartigen Ruf und das zu recht, wie beispielsweise die Burstbuckers oder die Dirty Fingers.
Viele kaufen deshalb Epiphones mit dem Plan, die Pickups gegen echte Gibsons zu tauschen. Allerdings sollten dann auch gleich die günstigeren Schalter und Potis mitgewechselt werden. Gibsons haben seit einigen Jahren richtige Platinen im E-Fach, was manche Traditionalisten abschreckt.
Epiphone ES-175 Premium
Gibson M2 Melody Maker
Unterm Strich:Gibsons haben von Werk aus die besseren Tonabnehmer verbaut. Allerdings ist es ein leichtes Spiel, die Tonabnehmer bei Gitarren zu wechseln.
Verarbeitung und Finish
Wie bei vielen Marken kommt es bei auch hier ganz auf den Preis an. Je nach Gitarre schwankt es zudem, da die Instrumente von Hand lackiert werden. Meiner Erfahrung nach haben die High-End-Epiphones weniger Qualitätsmängel als günstige bis mittlere Gibsons. Eine kürzlich von mir bestellte ES-335 Studio hatte beispielsweise erhebliche Mängel, während meine Epiphone ES-175 in makellosem Zustand hier eintraf. Das ist natürlich kein repräsentatives Beispiel.
Bei den Bünden gefallen mir Gibsons meist besser. Hier sind die Bünde meist ordentlich gelevelt und gekront. Bei Epiphones hat man oft mit scharfen Bundenden zu kämpfen. Bei den Hälsen ist mir schon häufiger aufgefallen, dass bei Epiphone der Sitz in der Halstasche nicht ganz so sauber wie bei Gibson ausgeführt ist. Zudem sind hier die F-Löcher sauberer gearbeitet.
Gibson nutzt Nitro während Epiphone auf Poly-Lacke setzt. Nitro schwingt besser und altert schön rissig, ist allerdings auch sehr anfällig bei Stößen und Stürzen. Poly wird dicker aufgetragen, wodurch er stabiler ist. Allerdings schwingt das Holz dadurch marginal weniger frei als bei einer Nitro-Lackierung.
Unterm Strich: Die Unterschiede sind relativ klar. Viel kommt jedoch auch auf den persönlichen Geschmack und die eigenen Präferenzen beziehungsweise den Anspruch an.
Langzeitkosten und Wert
Vielen denken beim Kauf einer Gitarre direkt an die Upgrades, die sie dem Instrument spendieren möchten. Sowohl für Gibsons als auch Epiphones betrifft das häufig die Tonabnehmer, die Brücken, die Tuner, Potis etc. Was hier notwendig ist, muss jeder selbst entscheiden.
Ich habe festgestellt, dass Gibsons schöner altern, weil die Teile meist von einer höheren Qualität sind. Des Weiteren sind Teile wie der Truss Rod so meist länger problemlos nutzbar. Ein Vorteil von Epihpones ist der Scarf Joint bei der Kopfplatte. Hier sind 2 Teile Holz aneinander geleimt, wodurch es seltener zu dem gefürchteten Bruch an der Stelle kommt, wie man ihn von vielen Gibsons kennt. Das sollte man auf jeden Fall berücksichtigen.
Unterm Strich: Die Kosten werden fast schon nebensächlich, wenn man eh alles upgraden möchte. Gibsons bleiben in der Regel aber wertstabiler.
Fazit
Es lässt sich schlussendlich festhalten, dass die Alte Regel “you get what you pay for” auch bei diesem Vergleich gilt. Wobei man auch sagen muss, dass die Qualität der Epiphone-Gitarren aus China, Indonesien und vor allem Korea deutlich gestiegen ist, wodurch die Grenzen zwischen guten Epiphones und günstigen Gibsons langsam verwischen.
Am besten ist es aber sich selbst ein Bild von einer Gitarre zu machen. Magst du den Sound, den Hals und das Design? Dann ist es definitiv egal, was auf dem Headstock steht.