Als Reuben Cox die berühmten Sound City Studios in Los Angeles betrat, in denen zeitlose Alben wie After the Goldrush und Fleetwood Mac entstanden waren, wurde er vom "erstaunlichsten Sound, den [er] je gehört hatte" überrascht. An jenem Tag in dem Studio, das auch heute noch ein Paradies für Kreative ist, arbeiteten Blake Mills und der Produzent Tony Berg an Andrew Birds Album Are You Serious aus dem Jahr 2016. Cox fiel sofort etwas Merkwürdiges auf: Mills, der Gitarrenvirtuose, spielte ein seltsames elektrisches Banjo aus den 50er Jahren, bei dem ein Holz-Metall-Keil auf den Saiten lag. Cox war fasziniert von der Schönheit des ungewöhnlichen Klangs dieses Instruments.
Einen Tag später gingen Cox, Inhaber und Gitarrenbauer des Old Style Guitar Shop, die Klänge, die er in Sound City gehört hatte, nicht aus dem Kopf. Er stand an seinem Arbeitstisch und war fest entschlossen, den sanften und doch verstärkten Klang des Banjos nachzubilden, allerdings auf Mills' Hauptinstrument, der Gitarre. Er durchforstete seinen Laden nach den richtigen Teilen und fand einen hohlen Telecaster-Thinline-Korpus aus Sperrholz, den er selbst gebaut hatte, setzte einen 80er Jahre Squier Bullet-Hals darauf und umwickelte eine japanische Brücke aus den 60ern mit Gummi aus dem Baumarkt. Um den gedämpften Sound zu verstärken, baute er einen Bill Lawrence-Tonabnehmer aus den 70er Jahren mit hoher Ausgangsleistung ein.
Innerhalb weniger Stunden hatte Cox die Gitarre gebaut und zu Mills nach Hause gebracht. Es war die Erste der Modifikationen, die zu einem Markenzeichen von Cox' Old Style Guitar Shop werden sollten. In nur wenigen Jahren haben sich Cox' Gitarren mit gummiertem Steg im Indie-Rock und bis in die höchsten Sphären der Popmusik verbreitet.
Seine Gitarren sind auf einigen der angesagtesten zeitgenössischen Aufnahmen zu hören—von Phoebe Bridgers' Punisher, Taylor Swifts Folklore, über Wilcos Ode to Joy bis zu Bob Dylans Rough and Rowdy Ways. Taylor Swift und Aaron Dessner von The National erwähnen die Gitarren in der Disney+ Dokumentation Folklore: The Long Pond Studio Sessions, wo Dessner erzählt, wie er eine für Swift gekauft hat. Die Gitarre "klingt wirklich alt und schreibt auf eine Art und Weise Songs für dich", so Dessner.
Worin liegt also der Reiz dieser Gummisteg-Gitarren für Künstler:innen und Produzent:innen, die regelrecht von ihnen besessen sind? Wie wurde ein Fotograf zu einem der begehrtesten Gitarrenbauer in Los Angeles? Und warum sind diese Gitarren so unbekannt, obwohl sie doch eigentlich überall zu hören sind?
Der Beginn von Old Style und den Gummistegen
Reuben Cox zog 2009 nach Los Angeles, Kalifornien, und eröffnete aus einer Laune heraus einen Gitarrenladen.
Er war mit seiner Tochter spazieren, als er vor einem kleinen, staubigen Laden direkt an der 101 über ein Schild mit der Aufschrift "zu vermieten" stolperte. Die Miete in Silver Lake war billig und das Risiko gering genug, und wenn er scheiterte, konnte er zu seiner früheren Karriere als Fotografielehrer auf College-Niveau und Redaktionsfotograf für Zeitschriften zurückkehren. Hier bot sich ihm die Chance, sein eigenes Unternehmen zu führen, sein eigener Chef zu sein und einen charmanten amerikanischen Traum in einer Stadt zu leben, in der ein unverschämter Wettbewerb um Ruhm herrscht.
Doch diese Zuversicht war nicht komplett berechtigt: Cox spielte kaum Gitarre und hatte wenig Erfahrung mit Reparaturen. Seine Karriere als Fotografie-Professor an der Cooper Union und am Sarah Lawrence College verschaffte ihm Zugang zu Holz- und Metallwerkstätten, wo er hobbymäßig ein paar E-Gitarren gebaut hatte, aber konnte man ihm wirklich eine alte, heilige Gitarre anvertrauen? Aus dieser Notwendigkeit heraus hat Cox seine Nische mit preiswerten Kataloggitarren aus den 50er und 60er Jahren gefunden.

In der Mitte des 20. Jahrhunderts verkauften Firmen wie Harmony, Kay und Danelectro große Mengen an Gitarren über Kataloge und in Sears-Kaufhäusern. Da diese Gitarren nicht so begehrt sind wie Gibsons aus den 50ern oder Martins aus den 40ern, bieten sie eine erschwingliche Option für alle, die ein Vintage-Instrument haben wollen, aber nicht so viel Geld ausgeben können.
Dieser niedrige Preis machte sie auch zum Herzstück von Old Styles Inventar, als relativ risikofreie Leinwände für Reubens Anfänge als Gitarrenbauer seine späteren Experimente mit Gummistegen. Abgesehen von der eklektischen Instrumentensammlung unterscheidet sich der Old Style Guitar Shop von typischen Geschäften: Es gibt keinen Online-Handel und nur eine minimale Präsenz in den sozialen Medien.
Reubens erste Gummisteg-Konstruktion war die Tele, die er Mills in den Sound City Studios schenkte, aber das war nur der Anfang des Lebens dieser Gitarre. Die beiden tüftelten weiter an den Tonabnehmern und Reglern.
"[Mills] mag es, eine Idee so lange zu testen, bis man das Beste daraus gemacht hat", sagt Cox. "Zuerst hatte er nur den Halstonabnehmer. Dann wollte er einen Steg-Tonabnehmer ausprobieren und wir haben zwei oder drei getestet, dann wollte er die Lautstärke- und Tonregler näher an die Saiten rücken, damit er mit dem Lautstärkeregler "pinky swells" machen konnte. Es gab dieses Loch in der Gitarre, und ich dachte mir: 'Das nutzen wir', und setzte ein Piezo-Mikrofon ein."

Ein heißer Tonabnehmer und das Piezo-Mikrofon erwiesen sich als erfolgreiche Kombination. Die meisten Gitarren mit Gummisteg, die Cox seitdem gebaut hat, haben zwei Ausgänge.
"Es gibt zwei Pickups, den magnetischen und den zweiten Tonabnehmer mit eigenem 3,5 mm-Ausgang, eine Piezo-Scheibe. Die Leute verstärken entweder beide Ausgänge oder gehen mit beiden direkt ins Pult und pannen sie ein wenig auseinander, sagt er. "Der Hauptklang ist der magnetische Tonabnehmer, und der Piezo ist wie ein schrottiger Lo-Fi-Sound. Es macht Sinn, beides getrennt zu haben, denn wenn man die magnetischen Tonabnehmer und die Piezo-Mikrofone durch denselben Schaltkreis schickt und einen Drei-Wege-Schalter anbringt, klingt das nicht gut."
An einer Gitarre herumzusägen und sie zu modifizieren ist nichts für schwache Nerven—und auch nicht für wertvolle Vintage-Gitarren. Aber bei Old Styles Inventar an Kaufhausmodellen und Cox' eigenen Kreationen hat man die Freiheit zu experimentieren.
"Wenn es sich um eine Gibson- oder Fender-Gitarre handeln würde, wäre es nicht die beste Idee, sie zu zerhacken und zusätzliche Löcher hineinzubohren, aber während des Folk-Booms in den 60er Jahren wurden wirklich viele Gitarren hergestellt. Ich glaube, jeder Mann, jede Frau und jedes Kind in Amerika musste wegen der Folkmusik eine Gitarre besitzen. Es wurden so viele hergestellt", sagt Cox. "Ich meine, hoffentlich werden die Leute in 50 Jahren nicht zurückblicken und sagen: 'Oh Gott, dieser Typ hat all diese Löcher in diese Gitarren gebohrt!'".
Es spricht sich herum
Reuben weiß, dass es schon seit Jahren Versuche gibt, einen gedämpften Klang zu erzeugen, aber seine Technik, den Steg mit Gummi zu umwickeln, erzeugt eine einzigartige, extrem gedämpfte Klangtextur, die die Gitarren für das Studio funktionaler macht als manche andere Arten von Dämpfern.

"Ich habe das sicher nicht erfunden. Leute haben schon Schaumstoff, Klebeband, Saiten, alles Mögliche verwendet, um diesen Sound zu erreichen. Man hört ihn bei vielen Songs, vor allem in den 60er Jahren bei den Fender Jaguars und Gretschs, die einen aufklappbaren Dämpfer hatten. Wie auch immer, der Vibe ist der Gummisteg, der für die Dämpfung sorgt, Flatwound-Saiten, die ebenfalls dunkel klingen, und dann konterkariert man das mit einem Shredder-Pickup, damit man etwas Klarheit hat. Das scheint die richtige Kombination zu sein", sagt er.
"Die Flip-up-Dämpfer oder der Schaumstoff unter den Saiten vor dem Steg erhöhen die Tonhöhe. Viele die in den Laden kommen nehmen viel auf—live fällt das weniger ins Gewicht—aber wenn man verstimmt aufnimmt, ist das ein Problem. Bei diesen Instrumenten ist der Dämpfer also der Steg, und auch die Balance zwischen Saite und Saite ist viel gleichmäßiger als bei der Verwendung von Schaumstoff, da der gesamte Druck der Saite auf den Steg ausgeübt wird. Es ist also eine Variante von etwas, das es schon gab."
Cox' Interpretation eines gedämpften Klangs fand Anklang. Zur gleichen Zeit, als Mills und Cox an den Gitarren mit Gummistegen arbeiteten, erhielt Cox aufgrund seiner Beziehung zu The National eine Reihe von Rückmeldungen von Musikern wie Aaron Dessner, der schließlich bei der Grammy-Verleihung 2021 mit Taylor Swift eine akustische Kay mit Gummisteg spielte. Die Gitarren sprachen sich weiter herum und erreichten neue Künstler:innen.
Ein großer Sammler ist Jeff Tweedy von Wilco, bekannter Fan von Vintage-Gear und jetzt bekennender Liebhaber von Reubens Gummisteg-Gitarren.
"Ich hörte eine von Reubens Gummisteg-Gitarren zum ersten Mal in einem Song von Perfume Genius und war sofort begeistert", sagt Tweedy. "Ich liebe alte, dumpfe Saiten, und der Gummisteg war wie eine Übertreibung davon. Er hat einen Sound mit wenig Obertönen—und die Obertöne, die da sind, sind irgendwie seltsam. Kein Glanz, kein Sustain. Ich habe ein paar dieser Gitarren auf Tournee und bei den Aufnahmen von Ode To Joy benutzt. Nels [Cline] hat auch eine. Pat [Sansone] auch."
Tweedy erzählt uns, dass er immer eine in seiner Nähe hat, egal ob er Songs schreibt oder sie aufnimmt. Inzwischen besitzt er mehr als ein Dutzend Gummisteg-Gitarren, und weitere sind für die Band in Planung.
"Nachdem ich mich einmal in ihren Sound und Reubens Fähigkeit, alte Gitarrenmodelle spielbar zu machen, verliebt hatte, wollte ich immer mehr kaufen", sagt er. "Ich glaube, ich habe jetzt mindestens 12 oder so... und erst kürzlich habe ich zwei zwölfsaitige Gitarren mit Gummisteg von Reuben bekommen. Als Nächstes baut er mir eine Tele mit Gummisteg, wie die, die sie beim Perfume Genius Tiny Desk Konzert benutzt haben."
Ein weiterer Fan ist Madison Cunningham, die vor allem für ihr Songwriting und ihr markantes Gitarrenspiel bekannt ist. Cunninghams Produzent Tyler Chester hat ihr vor zwei Jahren eine Baritone Silvertone-Akustikgitarre mit Gummisteg geliehen, die sie bis heute nicht mehr losgelassen hat. Seit dem Lockdown fühlt sich Cunningham von der Gummisteg-Gitarre und der damit verbundenen kreativen Freiheit angezogen.
"Ich konnte sie im letzten Jahr nicht mehr aus der Hand legen, weil sie mich immer noch inspiriert. Man ist gezwungen, anders zu denken, wenn man sie spielt, und das ist es, wonach ich immer suche, wenn ich eine Gitarre in die Hand nehme", sagt sie. "Ich glaube, wenn man eine Jazzmaster oder eine Tele in die Hand nimmt, gibt es so viele Leute, die sie spielen, dass man sich in den Kopf setzt, wie man sie spielen sollte. Das Schöne an der Gummisteg-Gitarre ist, dass man nicht weiß, wie sie zu spielen ist, man spielt sie einfach und findet heraus, was funktioniert, und das ist spannend."
Cunningham beschreibt die Gitarren als "wunderbare Führer in einer klanglichen Situation", was sie mit ihrer Performance von "When Love Loves Alone" unter Beweis stellt.
Alle diese Künstler:innen verdeutlichen, dass Reubens Gitarren voller Charakter sind und die eigenen kreativen Grenzen erweitern. Der Künstler und Produzent Ethan Gruska war überglücklich, über Reubens Arbeit zu sprechen, da sie seine Musik beeinflusst. Neben dem Schreiben und Aufnehmen seiner eigenen Musik hat Gruska auch Platten für Fiona Apple, Manchester Orchestra und Phoebe Bridgers produziert.
Gruska verweist auf das zweite Studioalbum von Phoebe Bridgers, Punisher, das für vier Grammys nominiert wurde, als ein starkes Beispiel seiner Instrumentensammlung von Old Style. "Ich würde sagen, 80 % der akustischen Gitarren [auf Punisher] sind Gummisteg-Gitarren". Er prägt einen neuen Ausdruck, um zu erklären, dass "das bemerkenswerteste Beispiel für Reubenisms auf dieser Platte 'Garden Song' ist. Phoebe spielt eine Gummisteg-Akustikgitarre—entweder eine Kay oder die Silvertone, die Tony Berg bei Sound City gehört—und das verfremdete, elektronischere Zeug ist eigentlich eine 12-saitige Gummisteg-Gitarre, die wir zu einer elektronischeren Sequenz geschnitten haben. Alle Gitarren auf dem Song sind Reuben-Specials".
Gruska erzählt von einer seiner bevorzugten Aufnahmetechniken, die durch den zweiten Eingang für den Piezo-Tonabnehmer ermöglicht wird. "Normalerweise nehme ich zwei DIs auf, eine mit dem Hals und eine mit dem Piezo, und panne sie sehr hart, sodass ein schöner, interessanter Stereo-Sound entsteht. Die andere großartige Sache ist, den Piezo durch einen Verstärker laufen zu lassen und die andere Seite ist einfach Direct-In." Er findet auch Gefallen daran, einen akustischen Sound mit einem Mikrofon aufzunehmen und fügt hinzu, dass es "einfach eine Menge Kombinationen gibt".
Leben und Werkeln in LA
Auch wenn Reubens Gitarren bei den Grammys auf der Bühne stehen oder auf populären Platten zu finden sind, ist sein Betrieb als Geschäftsinhaber und Gitarrenbauer relativ klein. Derzeit gibt es eine Warteliste für Custom-Builds. Reuben besteht darauf, dass er "demokratisch vorgeht und die Aufträge der Reihe nach erfüllt".

Wenn du die Warteliste überspringen willst, gibt es im Internet mehrere Quellen, die dir zeigen, wie du einen Steg mit Gummi umwickeln kannst. Die größten Fans von Reuben versichern uns jedoch, dass die Magie mehr als nur ein Gummisteg ist.
Laut Gruska "gibt es definitiv Möglichkeiten zum Selbermachen, und ich glaube, die gibt es schon viel länger als seine Gitarre, aber er findet einen Weg, sie wie ein echtes, ausgewogenes Instrument spielen zu lassen. Sie ist wirklich gut intoniert, sie fühlt sich einfach richtig an. Ich denke, dass seine Handwerkskunst sie zu einem wirklich spielbaren und eigenständigen Instrument macht."
Auch wenn viele Künstler:innen ihn lobpreisen, steht Reuben nicht gerne im Rampenlicht. Er erwähnt mehrere andere Reparaturtechniker:innen und Geschäfte, die ebenfalls Beachtung verdienen: Colleen Fazio für Verstärkerreparaturen in LA, Fanny's House of Music in Nashville und Mamie Minch von Brooklyn Lutherie in New York City.
"Es ist wirklich schmeichelhaft, dass die Leute sie benutzen", sagt er über seine Gummisteg-Kreationen. "Es macht wirklich Spaß, ein Wegbereiter zu sein, und da wir hier in LA sind, gibt es eine Menge Musiker:innen, die hier leben und hierher kommen. Ich habe viele wirklich großartige Leute kennengelernt und ihnen so etwas in die Hand gegeben. Letztendlich sind es einfach unglaublich billige Gitarren und dann kommen diese Songs dabei heraus."