Der Fender Deluxe Reverb und der Vox AC15 sind ungefähr gleich groß, beide werden häufig von ähnlichen Musikern benutzt, um weitestgehend ähnliche Musik zu machen. Vielleicht kann man einfach sagen, dass beide extrem vielseitig und beliebt sind.
Schaltkreise und Gesamtdesign hinter jeder dieser bühnenkompatiblen Klassiker sind jedoch völlig verschieden und haben dadurch unterschiedliche Klangbilder. Eines ist sicher: Mit beiden wirst du tolle Musik machen können. Aber wenn du wissen willst, welcher die besseren Töne bringt und bei welchem du das Gefühl hast, dass sich dein Puls beschleunigt, musst du schon ein bisschen genauer hinschauen.
Der Deluxe Reverb und der AC15 auf einen Blick
| Spezifikationen | '65 Deluxe Reverb | A.C.15 Custom |
| Erscheinungsjahr | 1963 | 1958 |
| Ausgangsleistung | 22 Watt | 15 Watt |
| Endstufenröhren | 2x6V6GTs | 2xEL84s |
| Combo-Konfiguration | 1x12" | 1x12"* |
| Kanäle | 2 | 2 |
| Reverb | Ja | Ja** |
| Tremolo | Ja | Ja*** |
- * Bisweilen sind 2x10" und 2x12" Combos und Topteilvarianten verfügbar
- ** Im aktuellen AC15 Custom ist ein Reverb verbaut; nicht verfügbar für viele Vintage AC15 oder das aktuelle handverdrahtete Modell
- *** Tremolo ist mit an Bord beim aktuellen AC15 Custom sowie bei originalen AC15 und weiteren Ausgaben. Dies gilt jedoch nicht für das aktuelle handverdrahtete Modell.
- **** UVP für Celestion G12M Greenback Speaker; $1,120 mit Celestion Alnico; UVP für den handverdrahteten AC15: $1.820
Bevor du in die wirklichen Unterschiede zwischen diesen beiden Combos eintauchst, solltest du beachten, dass sich die Spezifikationen und Konfigurationen des Vox AC15 im Laufe der Jahre viel stärker verändert haben als die des Fender Deluxe Reverb. Hier stellt sich nun die Frage: Der Deluxe Reverb gegen welchen AC15?
Vintage AC15 von 1958 enthielten bis in die späten 60er Jahre einen EF86 Pentode-Röhrenvorverstärker. Vox' original handverdrahtete 2007er Neuauflage des AC15H1 TV enthält ebenso diesen Röhrenvorverstärker. Diese Röhre verleiht der Gesamtcharakteristik des Amps eine etwas dichtere und cremigere Textur, verglichen mit dem stärker verbreiteten Röhrenvorverstärker mit 12AX7, der in den aktuellen Versionen und im populären, in England produzierten AC15TB der 90er verwendet wird.
Was bedeutet, dass die aktuellen Modelle mit ihren verschiedenen Vorgängern noch viel gemeinsam haben. Sie weisen einige ähnliche Klangcharakteristiken auf, von denen viele eine Wiedergabe mit einem AC15 ziemlich anders klingen lassen als mit einem Deluxe Reverb, so dass diese zwei klassischen Combos immer noch leicht voneinander zu unterscheiden sind.
Der Deluxe Reverb: Sprudelnde Cleans und gehaltvoller Klang
Der Deluxe Reverb genießt seit seinem Start vor über 5 Jahrzehnten eine gewaltige Beliebtheit, da er all das bietet, was viele Gitarristen brauchen, um eine große Vielfalt musikalischer Einflüsse mit einem einfach anzuwendenden Komplettpaket spielen zu können.
Nach dem Tweed Deluxe der 50er und der Tan-Tolex-Version aus den Jahren 1961-63 kam der Deluxe Reverb als bühnenbereiter Eckpfeiler aus Fenders Blackface Line-Up Ende '63 oder Anfang '64 (in Geschichten wird oft eine '63er Herkunft behauptet, obwohl es ziemlich schwierig ist, entsprechende Exemplare zu finden) auf den Markt.
Zusätzlich zu der am Amp vorgenommenen Kosmetik führte Fender einen Schaltkreis ein, mit dem mehr Kontrolle über den Amp-EQ möglich wurde - eine Bass- und Höhenregelung zwischen zwei Verstärkungsstufen einer 12AX7-Röhre pro Kanal - sowie andere Tweaks, die dazu beitrugen, mehr Headroom aus diesem 22-Watt-Amp herauszuholen.
Hochspannungs-Bauteile und eine Fixed Bias-Endstufe mit einer negativen Rückkopplungsschleife pressten die maximale Leistung aus den 6V6GT-Endstufenröhren, was zu klaren und kraftvollen Klängen führte.
Klang-Visitenkarte des Deluxe Reverb
- Eine etwas mittenlastige Klangfarbe mit ziemlich soliden Tiefen voller Kraft und glasklare Höhen.
- Großartige und erstklassige Cleans bei niedriger Lautstärke.
- Klassischer gehaltvoller Sound bei mittleren Lautstärken (vor allem mit einer Telecaster, Stratocaster oder einer Gretsch-Gitarre); ein Merkmal, das dazu beigetragen hat, ihn zu einem der beliebtesten Country-Amps für Aufnahmen oder Clubgigs zu machen.
- Scharfe, stechende Leadsounds, die auf volle Lautstärke aufgedreht eine natürliche Sättigung produzieren, eine großartige kleine Ausgabe des archetypischen Chicago-Blues-Sounds des Super Reverb.
- Mit seinem verführerischen röhrenverstärkten Federhall und seinem Optokoppler-Tremolo gehört er zum Feinsten, was es im Bereich der On-Amp-Effekte gibt.
Der auch bei niedrigeren Lautstärken respektable Headroom des Deluxe Reverb und seine generelle Preamp-Konfiguration machen ihn auch zu einem hervorragenden Fundament für die meisten Overdrive-Pedale. Viele Tube-Screamer bilden mit diesem Verstärker eine geradezu himmlische Verbindung, da sich dieser Verstärker durch die charakteristisch zurückhaltenden Mitten auszeichnet, den die Tube-Screamer dann füllen.
Bezwinger des Deluxe Reverb
Der Deluxe Reverb ist zwar in vielen Dingen unheimlich gut. Nichtsdestotrotz gibt es sicherlich einige Dinge, auf die er einfach nicht zugeschnitten ist. Während du in der Lage bist, mit einem der populären"Marshall-in-a-box-"Overdrive-Pedale einen gekünstelten Plexi-Klang aus ihm herauszuholen, so kommt er aus eigener Kraft wirklich nicht an die so oft gelobten Plexi-Crunch- und Leadsounds heran. Selbst Spieler, die im Amp-Overdrive-Bereich zu Hause sind, empfinden seine Tube-Distortion manchmal als übermäßig stechend oder ein bisschen eisig.
Natürlich wird jeder Amp dieser Größe an seine Lautstärkegrenzen stoßen. Der Deluxe Reverb reicht vielleicht nicht aus, um große Arenen zu füllen, obwohl viele Spieler seine 22 Watt überraschend laut finden. Und da die meisten großen Bühnen heutzutage Verstärker abnehmen und über die Monitore wiedergeben, ist der Deluxe Reverb jetzt wahrscheinlich vielseitiger als je zuvor.
Der AC15: Klassischer Glockenton und saftiger Overdrive
Der Vox AC15 wurde im Jahr 1958 von Dick Denney für Jennings Musikinstrumente (JMI) entworfen. Er wird oft als der erste Gitarrenverstärker beschrieben, der speziell im Einklang mit dem Gitarren-Frequenzbereich entwickelt wurde, anstatt lediglich mit Hilfe von vorhandenen Röhrenverstärker-Schaltkreisen angepasst zu werden.
Unabhängig davon ist dies ein Verstärker, der auf wunderbare Weise von schimmernden Cleans zu schmatzigen Overdrives übergeht. Originalexemplare gehören heute zu den renommiertesten Vintage-Amps auf dem Sammlermarkt.
Zu den charakteristischen Faktoren des AC15-Designs gehören seine auf Kathodenspannung basierten Endstufenröhren ohne Negativ-Feedback, die etwa 15 Watt aus einem EL84-Röhrenpaar herausholen. Wie oben diskutiert, hatten der ursprüngliche AC15 und die erste handverdrahtete Neuauflage (der AC15H1 TV) eine EF86-Röhre im Vorverstärker; wenn du über ein solches Modell nachdenkst, kannst du im Klangbild ein wenig Stärke, Cremigkeit und Sattheit addieren, gerade im Vergleich mit dem zusätzlichen Funkeln der 12AX7-bestückten Version mit Top Boost EQ-Stage, die man auch in dem ebenso legendären AC30 finden kann.
Klang-Visitenkarte des AC15
- Alles in allem ein wundervoll texturierter, reicher Klang mit viel Glanz und Schimmer aus reichhaltigen harmonischen Obertönen.
- Satte und aufblühende Cleans bei niedriger Lautstärke.
- Überraschend köstlicher, britisch eingefärbter Sound bei niedriger bis mittlerer Lautstärke, der zum unerwarteten Favoriten für Alternative Country- und Indie-Roots wird.
- Bis zum Anschlag aufgedreht entsteht ein herrlich satter und lebendiger Röhrenverstärker-Overdrive mit lieblichen Mitten.
- Der AC15 ist in der Regel nicht bekannt für seinen Halleffekt (obwohl die vorherigen Tremolo-Versionen schon ordentlich sind), so dass diese Effekte beim aktuellen Standardmodell als Boni hinzugefügt wurden.
Obwohl 15 Watt vielleicht nicht nach so viel klingt, gibt es wirklich kein merklich abweichendes Klangvolumen im Vergleich zum Deluxe Reverb mit 22 Watt. Was der AC15 dir auf diesem Level zu bieten hat, ist ein Gefühl des natürlichen Übergangs von Clean zu Overdrive, wenn du die Saiten hart anschlägst. Ein etwas lockeres (aber immer noch ansprechendes) Low-End entsteht aufgrund der kathodengesteuerten Endstufenröhren ohne Negativ-Feedback.
Champions des AC15
Einige Spieler empfinden den AC15 als Pedal-Plattform nicht ganz so gut wie andere, unterschiedlich abgestimmte Amps seiner Größe, und oftmals trifft es zu, dass einige Overdrives das Frontend dieses Amps ein wenig zu stark pushen. Die mittenlastige Stimmung von Tube Screamer-Overdrives beispielsweise kann zu viel Midrange-Wirrwarr bei einem AC15 auslösen, der in diesem Frequenzbereich ohnehin schon viel davon hat. Auch einige andere Overdrives und Fuzz-Pedale spielen nicht so freundlich auf der Top-Boost-Plattform des Amps und sorgen insbesondere für harte Höhen. Ausgewogene Overdrives und Boost-Pedale können jedoch häufig dazu beitragen, einen AC15 in leckere Leadgitarren-Qualitäten zu überführen.
Wenn 15 Watt auch nicht allzu mächtig erscheinen, so können der Frequenzgehalt des Verstärkers und seine hohe Sättigung an harmonischen Obertönen ihn oft überraschend laut klingen lassen. Letztlich ist dies eine legendäre kleine Klangmaschine, passend für Spieler, die eine Leidenschaft für sanft gesättigte Töne oder aufgedrehte Vintage-Overdrives besitzen.