Ist Nancy Sinatra die Mutter des Fuzz-Pedals?

Nancy Sinatra (1960). Foto: RB / Staff, Getty Images.

Fuzz-Fans kennen die Entstehungsgeschichte gut: Während einer Aufnahmesession von Marty Robbins im Jahr 1961 erzeugte ein kaputter Transformator einen schwammigen, verzerrten Sound auf dem 6-saitigen Danelectro-Bass des Gitarristen Grady Martin.

Robbins und der Tontechniker Glenn Snoddy erkannten die Neuheit des unerwarteten Effekts, entschieden sich dafür, ihn zu behalten, und das erste Fuzz-Solo nahm seinen Lauf. Obwohl es als Erstes mit einem Bass und auf einer Country-Platte aufgenommen wurde, dröhnte der Sound schon bald in Form von "Satisfaction" von den Rolling Stones durch die Radios und erfand so die Rockgitarre neu.

Aber wie wurde der Fuzz-Effekt zum Standard? Wie kam es dazu, dass die defekte Schaltung eines Aufnahmepults nachgebaut, steuerbar gemacht und in ein praktisches Pedal verpackt wurde? An diesem Punkt kommt Nancy Sinatra ins Spiel.

Nachdem Robbins' "Don't Worry" ein Hit wurde, "riefen mich die Leute an, um herauszufinden, was das ist", erzählte Snoddy 2014 der NAMM. "Sie verstanden nicht, was das für ein Sound war."

Die Neuheit verbreitete sich schnell in Nashville und jeder wollte etwas von dem Fuzz der Konsole auf seinen eigenen Platten haben. Aber erst als dieser Brunnen versiegt war, fasste Fuzz als Effekt wirklich Fuß.

Original Maestro FZ-1 Fuzz Pedal.
Original Maestro FZ-1 Fuzz Pedal. Foto: The Groove.

Zu dieser Zeit kamen Effektgeräten in vielen Formaten. Eine der frühesten Boxen war DeArmond's Tremolo Control, erhältlich um 1941, aber die Box war nicht zum drauftreten gedacht. Das Tremolo Control ähnelte eher einer kleinen metallenen Pausenbrotbox und war ein Desktop-Gerät, komplett mit einem Griff an der Oberseite.

Reverb-Geräte wie der originale Reverb Tank von Fender beherbergten die elektromechanischen Federn und den Tonabnehmer in einem verstärkerähnlichen Gehäuse. Ein eigenständiger Verzerrungs- oder Overdrive-Effekt war noch nicht erfunden worden—Gitarrist*innen rissen einfach ihre Verstärker auf oder nahmen die Sache selbst in die Hand und zerschnitten die Lautsprechermembranen für schmutzigere Sounds.

Da Snoddys ursprünglicher Fuzz-Sound ein Nebenprodukt kaputter Elektronik war, lag nah, dass er nicht ewig überdauern würde. Eines Tages gaben die fehlerhaften Schaltkreise des Quonset Hut Mixers schließlich endgültig den Geist auf.

"Wir hatten eine Künstlerin, Nancy Sinatra, die uns anrief und eine Platte aufnehmen wollte. Als sie ankam, mussten wir ihr sagen, dass das Mischpult, das diesen Sound verursachte, der Verstärker, den Geist aufgegeben hatte und wir es nicht mehr machen konnten. Das hat ihnen gar nicht gefallen. [Lacht] Ich sagte [Quonset Hut-Besitzer und Produzent] Harold Bradley, dass ich sehen müsste, ob ich das irgendwie nachbauen und zum Laufen bringen könnte."

Sinatra, die Pop-Ikone, deren "These Boots Were Made Walkin'" 1965 veröffentlicht wurde, war also der Grund, dass Snoddy Revis Hobbs anrief, in der Absicht, den Sound des Pultes, der durch einen Transformator entstanden war, stattdessen durch Transistoren zu erreichen.

Snoddy und Hobbs platzierten die Schaltung in einem keilförmigen Pedal und schlossen den Fuzz-Sound in dem ein, was ab jetzt offiziell der Fuzz-Tone war, der unter Gibsons Maestro-Marke zunächst als FZ-1 und dann als FZ-1A verkauft wurde. Während andere parallel daran arbeiteten, einen ähnlichen Effekt zu erzeugen—Orville Rhodes' handgefertigte Fuzzbox verzerrte die Gitarre auf "2000 Pound Bee" von The Ventures an—war es der Maestro Fuzz-Tone, den Keith Richards schließlich in die Hände bekam.

"Satisfaction" wurde, nun ja, "Satisfaction". Das Fieber für Fuzz-Pedale war so richtig entfacht. Und wer weiß, ob das so passiert wäre, wenn Nancy Sinatra nicht einfach gefragt hätte.


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